ESSEN REZEPTE

Schokoladenmützen für den Nikolaus

8. Dezember 2012
Genuss_sucht_Weihnachtsmützen für den Nikolaus

Eines erst einmal vorweg: Ich habe euch vernachlässigt. Das war gar nicht schön. Und diesmal lag es auch nicht am Arbeitswahn, denn der hat – gelinde gesagt – ein bisschen Urlaub gemacht. Vielmehr: machen müssen. Denn ein fieser grippaler Infekt hat mich glatte 3 Wochen niedergestreckt. Nicht eine einfache Erkältung mit ein bisschen Husten, Schnupfen und Selbstmitleid-Weltschmerz, sondern gleich so eine Wuchtbrumme mit der schon Tee und Suppe kochen zum täglichen Workout wurde, nach welchem ich mich immer erstmal wieder 5 Stunden schlafen legen musste. Aber ich will gar nicht lamentieren, schließlich habe ich in langwieriger Kleinstarbeit jedes einzelne Viruspartikelchen höchstpersönlich bekämpft und ausgerottet und sitze hier nun wieder fit und aufrecht.

Das Kranksein hat mich gelehrt, wieder besser auf mich aufzupassen, Pausen einzulegen, der Arbeitsmanie auch manchmal einen Riegel vorzuschieben und mir bewusst Auszeiten zu gönnen. Man kann nicht wochen- und monatelang wie irre arbeiten und den Rest der Welt ausblenden. Egal, wie gern man diese Arbeit tut. Lauter konnte mein Körper nicht protestieren und so habe ich einfach hinhören müssen, was er nun wollte und verlangte – und schließlich den Starrsinn beiseite gelegt um seinen Wünschen nachzugegeben.

Irgendwann zwischen den springenden Fiebergraden des Thermometers wurde es dann richtig Winter, die Temperaturen halten sich schon länger um den Nullpunkt herum auf und meine Weihnachtslaune entwickelte sich proportional mit dem Hochdrehen des Heizungsreglers. Während meine Keksbacklaune in diesem Jahr nicht recht aufkommen mag, hat eine sonderbare, für mich recht ungewohnte Dekolaune meine Wohnung aufgesucht. Ein großer Weihnachtskugelteppich hängt nun an dünnen Fäden vor meinem großen Wohnzimmerfenster und wackelt lustig, wenn der einen guten Meter darunter stehende Adventskranz mit großen Kerzen angezündet ist und die Luft bewegt. Bei jedem Einkaufsgang kaufe ich ein paar Navel-Orangen weil ich mich so sehr freue, sie endlich wieder in Händen halten zu können. Ihr Fleisch ist noch nicht ganz so saftig und ihr Aroma noch nicht ganz so rund, aber das Wichtigste ist: sie sind da und machen mich froh und winterlaunig.

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Als ich diese Woche das erste Mal einen Weihnachtsmarkt anlässlich eines Geburtstags-Glühweintrinkens besuchte, war es so bitterkalt, dass meine schwedische Winterjacke, die bei Temperaturen über 0° nichts als saunaähnliche Zustände unter dem Reißverschluss verursacht, sogar schon zu so frühem Winterzeitpunkt zum Einsatz kam und mich einige Stunden wunderbar warm hielt, während es in wattebauschgroßen Schneeflocken auf unsere Mützen und in unsere Feuerzangenbowlen herein schneite. In unbeobachteten Momenten trällere ich amerikanische Weihnachtsklassiker vor mich hin und sogar meine Weihnachts-Playlist wurde schon reaktiviert und komplett durchgehört (was bei ihrem Umfang wirklich viel Engagement erfordert). Denn nichts ist gemütlicher als ein Küchentag mit Ella Fitzgeralds und Frank Sinatras Weihnachtsliedern. Der erste Advent war mir bereits ein so ein großes Fest wie in manch vergangenem Jahr das gesamte Weihnachtsfest.

Pünktlich zum Nikolaustag kam sie dann aber doch zurück: die Gebäcklaune. Zwar nicht nach Plätzchen, aber nach Nusskonfekt. Schnell sollte es gehen, denn ich hatte mir vorgenommen schon zwei Stunden später zu einem Nachmittagskaffee was Süßes fertig zu haben. Nussig musste es sein, behauptete die Laune. Und auch richtig schokoladig, zwitscherte die Naschlust. Kurzum: Schnell wurden die letzten zwei im Regal verbliebenen Packungen Mandelhobel des Biomarkts um die Ecke weggekauft und es ging in der Küche los. Eine gute halbe Stunde später war der große Spuk dann auch schon vorbei und ich musste mich noch eine Stunde aufs allerallerfürchterlichste gedulden, damit die Schokolade fest werden konnte. Wahrscheinlich muss ich nicht erwähnen, dass die Geduld nicht mein bester Freund ist. Eine handvoll Pralinenpapierchen waren schon leer, als die Schokolade überhaupt erst in Erwägung zog, leicht anzutrocknen.

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Wer bei der Kombination von Schokolade und Mandel daran denken sollte, dieses Konfekt mit ordinären Mandelsplittern zu vergleichen, dem sei mal gleich gesagt, dass dieses Konfekt hier die Königin aller Mandel-Schokolade-Sachen ist. Denn die vornehme Feingliedrigkeit der Mandelhobel, das sanfte Krachen ihrer angerösteten Kanten und die verführerische Weichheit ihres zarten Innenlebens, die sahnige Vollmilchschokolade, das schmeichelhafte Knistern der leicht karamellisierten Honigschicht auf den Mandeln, das Knacken der Schokoladenmützen und Pistazien sowie die Süße der darunter zum Vorschein kommenden Maulbeeren becirct das winterliche Gemüt beim Naschen dieser Schokoladenmützen umgehend und sofort. Kein Entrinnen und Nichtgutfinden möglich. Naja, außer man ist Nussallergiker und muss danach sofort ins Krankenhaus.

Diese Schokoladenmützchen sind die stilechte Begleitung zum Nachmittagskaffee, oder – wie heute in meinem Fall – zum Holunderpunsch. Und weil wir das 2. Adventswochenende haben, bekommt ihr nun auch gleich zwei Rezepte: die Schokoladenmützchen und den dazu passenden Holunderpunsch. Für den perfekten Adventsnachmittag an diesem Wochenende.

Sollten die Regale eurer Supermärkte nicht so leer gegriffen sein wie in meinem Viertel, rate ich dringend dazu, sofort die doppelte Portion herzustellen. Denn eines kann ich euch garantieren: diese kleinen Dinger wollen genascht werden, immer und immer wieder. Und in so zierlicher Größe wie ich sie hergestellt habe, finden dann während der Dauer eines Punsches gerne einfach mal 10 oder mehr Schokoladenhütchen ihren genussvollen Weg in den Mund. Dagegen hilft bekanntermaßen nur eins: Genug Mandelhobel und Schokolade kaufen. Oder alternativ Weihnachtslieder mit Ella Fitzgerald, Frank Sinatra oder Wham mitsingen. Laut und ausgiebig. So lange, bis die Schokoladenlaune vorbei ist.

Ich wünsche euch ein gemütliches Adventswochenende mit großen Schneeflocken, vor Kälte geröteten Wangen, glühenden Herzen, viel warmem Punsch und bester Vorweihnachtslaune.

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MANDEL-SCHOKOLADEN-MÜTZEN

Für ca. 60 Mandel-Schokoladen-Mützchen:

200 g Mandelhobel
40 g Blütenhonig
1 Vanilleschote
225 g gehackte Vollmilchschokolade mit mind. 40 % Schokoladenanteil (beste Qualität, auf keinen Fall Billig-Kuvertüre)
60 ganze, geschälte und ungesalzene Pistazien (ca. 1 kleine Hand voll)
60 getrocknete Maulbeeren (ca. 1 kleine Hand voll)
Pralinen-Papierförmchen

Los geht’s

Ofen auf 180° Ober-/Unterhitze bzw. 160° Umluft vorheizen. Mandelhobel auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech gleichmäßig ausbreiten und im Ofen ca. 3 – 4 Minuten aufwärmen lassen.

In der Zwischenzeit die Vanilleschote halbieren und das Mark herauskratzen. In einer Pfanne den Honig zusammen mit dem Vanillemark erwärmen (nur auf kleiner bis mittlerer Hitze, nicht heißer, denn der Honig soll nicht karamellisieren sondern nur flüssiger werden). Wenn der Honig schön flüssig ist, die Mandelhobel dazu geben und alles gut durchmengen, sodass der Honig sich gleichmäßig unter den Mandelhobeln verteilt.

Die Mandeln zurück auf das Blech geben, wieder gleichmäßig verteilen und zurück in den Backofen schieben. In ca. 8 – 10 Minuten goldbraun rösten und zwischendurch immer mal wieder mit einer Gabel leicht umrühren, damit die Mandeln gleichmäßig von allen Seiten bräunen. Aus dem Ofen nehmen und vollständig auskühlen lassen.

Währenddessen 100 g der Schokolade in einer Schüssel über dem Wasserbad langsam schmelzen (darauf achten, dass das Wasser nur warm wird und nicht kocht, damit die Schokolade nicht zu heiß wird). Wenn sie komplett geschmolzen ist vom Wasserbad herunternehmen, weitere 50 g Schokolade hinzufügen und langsam einschmelzen lassen. Gut umrühren bis eine glatte Schokoladenmasse entsteht. Dann die abgekühlten Mandelblätter vorsichtig untermengen bis alles gut durchgemischt ist.

Mit einem kleinen Espressolöffel kleine Häufchen in Pralinenpapierchen geben (oder einfach nur Häufchen auf ein Backpapier setzen).
Dann jeweils eine Pistazie und eine getrocknete Maulbeere auf jedes Häufchen setzen.

Nochmals 50 g Schokolade über dem Wasserbad schmelzen und dann durch Zufügen der letzten 25 g Schokolade etwas heruntertemperieren. Dann die Pistazie und Maulbeere auf jedem Häufchen mit einer kleinen Schokoladen-Mütze versehen. Alles gut trocknen lassen und in einer Dose aufbewahren. Wenn was zum Aufbewahren übrig bleibt 🙂

 

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HOLUNDERPUNSCH

Für 2 Personen:

150 ml ungesüßter Holunderbeerensaft (kein Nektar, sondern am besten Muttersaft)
40 ml Holunderbeerensirup (oder alternativ Akazienhonig)
ca. 2-3 Bio-Orangen für 250 ml Orangensaft (am besten frisch gepresst, alternativ geht auch Apfelsaft)
abgeschälte Orangenzeste von einer Bio-Orange
1 Zimtstange
2 Sternanis
1 Nelke
1 Prise frisch geriebene Muskatnuss

Los geht’s

Eine Orange heiß waschen und mit dem Sparschäler eine Spirale abschälen. Die Orangen pressen und den Saft abmessen (nach Wunsch noch durch ein Sieb gießen, falls kein Fruchtfleisch gewünscht ist).

Alle Zutaten in einen Topf geben und zum sieden bringen. Die Gewürze ca. 10 Minuten darin ziehen lassen, dann durch ein Sieb abgießen und trinken, solange der Punsch noch heiß und dampfend ist.

 

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3 Comments

  • Reply Marja 13. Dezember 2013 at 18:07

    Liebe Stefanie,
    schön mal wieder von dir zu lesen! Der Punsch hört sich sehr gut an, das werde ich nächste Woche mit meiner 12 Klasse probieren. Apfelpunsch ist gesetzt, aber dieser hier gefällt mir sehr. Schönen 3. Advent.
    Liebe Grüße
    Marja

  • Reply Theo 9. Dezember 2012 at 12:45

    Hallo,
    ich schreibe das erste Mal, aber dein Post hat mich jetzt auch in richtige Weihnachtsstimmung versetzt, die vorher gar nicht aufkommen wollte. Kekse waren mir ein Graus, aber die Mandel-Schokoladen-Mützen sind genau das richtige!
    Und Hamburg im Schnee ist einfach zu herrlich!:-)

    • Reply Genusssucht 9. Dezember 2012 at 12:48

      Es ist mir eine große Ehre, dass ich Weihnachtslaune schaffen konnte. Und während Eartha Kitt gerade „The Lord’s Prayer“ für mich trällert, freue ich mich, dass die Schokoladenmützchen so gut ankommen. Hab‘ einen tollen 2. Advent!

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