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Salzige Sommertage

7. Juli 2012
Genuss_sucht_Salzige Sommertage

Es ist ein klitzekleines bisschen Sommer da draußen. Jedenfalls dann, wenn die Hamburger Wolken ihn nicht gerade mal wieder hinter sich verstecken. Die vielen Bilder von Melonen, lebhaften Grillparties und erfrischenden Cocktails, die in den Medien allgegenwärtig sind, bringen zwar keine ausgelassene Hochsommer-Stimmung in mir hervor, weil die Temperaturen selten die 25 Grad übersteigen, aber mir ist nach Sommeressen. Selbst wenn ich abends Socken anziehen muss, weil die Füße nicht mehr warm werden möchten.

Ich mag das gelbgraue Licht in der Aufwachphase, das starrsinnig laute Vogelzwitschern der Geschöpfe auf dem Baum vor meinem Schlafzimmerfenster, die langsame Betriebsamkeit der ersten Ferienwochen, in denen selbst eine Großstadt wie Hamburg auf einmal irgendwie leer wirkt (auch wenn sie es nicht annähernd ist) und sich über den Straßen ein genüssliches Seufzen ausbreitet, das der Abwesenheit der Hektik geschuldet ist. Menschen sitzen abends lange in den Straßen und harren auch bei 20 Grad Tageshöchsttemperatur noch lange mit langärmligen Jacken unter den Heizstrahlern der Restaurants und Bars aus, bevor es sie wieder in geschlossene Räume zieht. Alle wollen Sommer haben. Und ich glaube, ein verheißungsvoller Sommer  steht in den Sternen. Wenn die Sonne sich nicht dazu gesellen mag, dann muss man ihn sich eben ein bisschen zusammenillusionieren.

Jeden Abend, nur kurze Zeit bevor die untergehende Sonne rosa Licht in mein Wohnzimmer wirft und meine weiße Couch in blau-lila-nuancierte Farbverläufe taucht, merke ich das erste Mal, dass es Zeit ist für das Abendessen. Gerne fantasiere ich mir einen vorangegangen heißen Tag dazu und bekomme sofort Lust auf ein volles Glas kalten Weißweins, an dessen Außenseiten sich kleine Kondensationspfützen die tropfnassen Hände reichen und einem Teller erfrischender Pasta. Keine Nudeln mit schwerer Sauce oder reichhaltiger Beilage, sonder simple Kohlehydrate mit frischem Geschmack. Am liebsten lasse ich sie nach dem Kochen ausdampfen, gebe ein paar Tropfen aromatischen Öls unter die Nudeln, mische je nach Tageslaune eine handvoll Kräuter, Oliven, Knoblauch, Sardellen oder Chilis unter, ein paar Brocken alten Parmesans oder jungen Ricottas, mörsere einige Fenchelsamen oder röste noch ein paar Pinienkerne. Mehr braucht es nicht zum Sommerglück. Eine ordentliche Portion Würze, gutes Öl, Nudeln, gegebenenfalls ein paar Proteine.

In dieser Woche überkam mich das Verlangen nach Salzigem und kaum gedacht hielt ich auf dem Markt schon Queller in der Hand. Dieses Gemüse wird im Handel mittlerweile auch gerne „Meeresspargel“ genannt, hat aber mit Spargelgeschmack wirklich überhaupt nichts gemeinsam. Vielmehr schmeckt er roh einfach nur knackig und sehr salzig. Die Salzpflanze, die zwischen April und Oktober große Flächen der Wattenmeerküste bedeckt, kann am besten zu Beginn seiner Wachstumsphase gegessen werden, während die Triebe noch dünn und die Salzkonzentration noch nicht allzu hoch ist. Queller dient den bekannten Salzwiesenlämmern gerne als Nahrung und wird deshalb gerne als Beilage zu Salzwiesenlamm gegessen. Viele essen ihn auch gerne roh als Salat, aber mir persönlich ist das zu unspannend. Der Queller sollte nicht Hauptbestandteil, sondern vielmehr schmückendes und würzendes Accessoire werden. Und ich hatte natürlich auch schon was im Kopf. Ein Gericht, zu dem man einen kalten Weißwein trinken kann. Am Ende war es ein fantastisches Quartett, das da auf dem Teller zusammenfand: Nudeln, Queller, Lachs und Zitronen. Nur ein Hauch Pfeffer dazu, alles andere wäre zu viel gewesen. Nun gut, ein bisschen ausklingende Sommertagshitze wäre schön gewesen. Aber die Illusion schafft es auch so, sich einen Sommertag einzubilden.

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ZITRONEN-SPAGHETTI MIT QUELLER UND LACHS

Für 2 Personen:

250 g Spaghetti
1 große Zitrone
1 EL Olivenöl
2 handvoll Queller
2 EL Butter
1 großes Stück Bio-Lachsfilet (ca.
Pfeffer

Zitrone auspressen und mit 1 EL Olivenöl verrühren. Queller kurz in kaltem Wasser waschen und trocknen. (Nicht in Süßwasser stehen lassen, weil er sonst wegen seiner hohen Salzkonzentration sehr schnell zerfällt).

Und so wird’s gemacht:

Nudeln in Salzwasser kochen. Kurz vor dem al dente Garpunkt abgießen, sofort mit der Zitronen-Olivenöl-Mischung übergießen, gut durchmengen und ausdampfen lassen. In der Zwischenzeit in einer Pfanne zwei Esslöffel Butter bei mittlerer Hitze schmelzen lassen und den Queller dann darin anschwitzen. Darauf achten, dass die Hitze nicht zu groß ist und der Queller nicht zu weich und schlaff wird. Sobald er etwas angeschwitzt ist, aus der Pfanne nehmen. Pfanne zurück auf die Hitze geben, ggf. noch etwas Butter oder Olivenöl zugeben und das Lachsfilet im ganzen Stück bei mittlerer Hitze von beiden Seiten anbraten, bis es in der Mitte nur noch leicht glasig ist. Herausnehmen, zur Seite stellen. Lachsfilet in Stücke zupfen und zusammen mit dem Queller unter die Spaghetti heben. Auf Tellern anrichten, etwas Pfeffer darüber mahlen, eiskaltes Glas Weißwein einschenken und den lauen Sommerabend mit dem rosa-lila-blau-Theater am Himmel genießen. Egal, ob es 15 oder 35 Grad sind.

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