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Saison-Affäre

7. Oktober 2012
Genuss_sucht_Saison Affäre

Es ist schön zu sehen, wie sich die Vorfreude und das große Willkommen zu jeder Saison wiederholen. Haben wir uns mal an Tomaten, Salaten, leichten Sommergerichten und mariniertem Grillfleisch satt gegessen, betören wieder Herbstaromen unsere Sinne. Wir lechzen nach Pilzen und Wildgerichten, Schmorfleisch und heißen Eintöpfen, seufzen selig beim Anblick dampfender Kartoffeln und bekommen zitternde Hände, wenn Knödel im Salzwasser schwimmen.

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Doch noch bevor wir alle am liebsten täglich Rotkraut mit möglichst stärkehaltigen Beilagen auf unseren Tellern versammeln, habe ich eine intensive Orange-Phase. Kaum ist der Kürbis in den Speiseplan eingezogen, liebe ich ihn exzessiv. Ich koche Kürbis-Suppen jeglicher Art, röste Kürbisspalten im Ofen, mache Püree und tolle Kürbis-Gnocchi daraus, lege ihn süß-sauer ein und suche immer wieder nach neuen Rezepten, wie ich ihn verarbeiten könnte. Weil er im Überfluss da ist und mich mit seiner mehlig-weichen Konsistenz und seinem süßen Beigeschmack um seine Finger wickelt, bis ich irgendwann genug von ihm habe, weil wir wochenlang kaum anderes taten, als miteinander den einziehenden Herbst zu zelebrieren. Danach fristet er ein Schattendasein in meinem Leben, hinweg durch den restlichen Winter, wird manchmal als Abwechslung noch in den Einkaufskorb gelegt, aber längst nicht mehr so heiß geliebt wie zu Beginn der Saison. Unsere Affäre ist zeitlich begrenzt, sie beginnt meist im September und endet noch vor Dezember. Eine Liebe, die einfach nicht fürs Leben gedacht ist.

Momentan ist unsere Liebe noch heiß, die zwischen mir und den Kürbissen. Äußerst leidenschaftlich fröhnen wir gemeinsamer Stunden und suchen wie immer nach mannigfaltigen Arten und Weisen des Zusammenseins. Diesmal hat mich ein Butternut betört. Perfekt in seiner Form, subtil in seiner Farbe, nicht so aufdringlich wie der gern genommene Hokkaido, dessen Verkaufszahlen proportional mit der Erwähnung „Muss nicht geschält werden“ steigen. Aber der Butternut verspricht viel mehr. Sein Name trägt eine Aussage, er verspricht feinen Schmelz und buttriges Vergnügen. Sein Fleisch ist fest und nicht ganz so körnig-mehlig wie das des Hokkaido. Nachdem Gnocchi, diverse Suppen, Ofenspalten & Co. schon längst gemacht waren, stand der Risotto-Freude nichts mehr im Weg. Und zugegebenermaßen hat er sich viel besser geschlagen als ich es ihm vorher zugemutet hatte. Nur ein knuspriger Kompanion fehlte ihm noch, einer der knistert im Mund, die Weichheit des Risottos spannend macht, ein paar kräftige Röstaromen. Ein Viertel Kürbisbrot, schon einige Tage alt und längst nicht mehr so weich-fluffig wie ich es liebe, stand noch in der Ecke herum. Es wurde kurzfristig zu einem feinen Pangrattato, einer knusprig-röstig-leckeren Bröselmischung mit Butter- und Rosmarinaroma, noch getoppt von einem Hauch Knoblauch darin. Diese Knusperbrösel lassen sich wunderbar auch noch einige Tage in einer luftdicht verschlossenen Dose aufheben und über allerlei Leckerei streuen. Gut passen sie auch zu gekochtem oder gedünstetem Gemüse, zu gegrillten Zucchini- oder Auberginenscheiben, auf ein wunderbares Steak oder einfach auf eine simple Pasta, die ein bisschen Aromenwunder vertragen kann.

Wie bei jeder leidenschaftlichen Liebe könnte ich beim Anblick des Risottos gerade schon wieder. Auch ein Stück heißer Kürbis, direkt aus dem Ofen, würde mir schon reichen. Es braucht nicht viel, um das Vermissen zu stillen. Scheint, als würde ich morgen nochmal losgehen, weil es mich so sehr nach Kürbis verzehrt. Ich will ihn lieben, solange er da ist. Heiß und innig. Weil er nur schmeckt, solange die Verliebtheit so fürchterlich groß ist. Doch ich befürchte es wird, wie in jedem Jahr, bei einer Affäre bleiben. Herr Kürbis und ich, wir passen einfach immer nur für den Hauch einer Saison zusammen. Danach müssen wir weiterziehen und unser eigenes Leben leben. So ist es vorbestimmt, wider aller Vernunft. Aber bis dahin, liebster Herr Kürbis, gehören mein Herz und meine Küche (fast) ausschließlich Dir.

Ich wünsche euch einen Sonntagabend mit viel Liebe und eine Woche mit viel Kürbis!

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KÜRBIS RISOTTO MIT KNUSPERBRÖSELN

Für 2 Risottoliebhaber:
200 g Risottoreis (Arborio oder Carnaroli)
1 kleinerer Butternut-Kürbis
200 ml trockener Weißwein
700 ml Hühnerfond (alternativ Gemüsebrühe)
1 mittelgroße Zwiebel
2 Knoblauchzehen
4 Stängel Petersilie
3 EL Olivenöl
2 EL Butter
50 g Parmesan

Für die Knusperbrösel:
altes, feines Brot mit noch halbwegs weichem Innenleben (Weißbrot, Roggenbrot o.Ä. – bei mir war es Kürbisbrot)

ca. 2 EL Butter (je nach Brotmenge auch mehr)
ca. 3 EL Olivenöl (je nach Brotmenge auch mehr)
1 Zweig Rosmarin
1 Knoblauchzehe

Vorbereitungen für das Risotto:

Ofen auf 220 Grad Ober-/Unterhitze (oder 200 Grad Umluft) vorheizen. Den Kürbis der Länge nach vierteln, von den Kernen befreien und mit einem scharfen großen Messer die Haut abschälen. Das geht am besten, wenn man die Viertel an der dicken Unterseite gerade schneidet, das Viertel senkrecht aufstellt und dann mit dem Messer von oben nach unten die Kürbiskontur abschält. Den Kürbis in Stücke schneiden und diese auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech gut verteilen. In den Ofen geben und garen, bis sie weich sind (zum Test mit einem spitzen Messer hinein stechen). Das dauert ca. 30-40 Minuten.

Zwiebel und eine der beiden Knoblauchzehen in feine Würfel schneiden. Parmesan fein reiben. Petersilie fein hacken.

Vorbereitung Knusperbrösel:

Den noch weichen Innenteil des Brotes herausschaben und zwischen den Fingern fein zerbröseln. Falls das Brot dafür schon zu fest ist, kann es auch auf einer groben Reibe gerieben werden. In einer Pfanne 2 EL Olivenöl zusammen mit 2 EL Butter zerlassen. Die Knoblauchzehe ungeschält andrücken und zusammen mit dem Rosmarinzweig in die Pfanne legen. Bei mittlerer Hitze die Fettmischung etwas aufschäumen lassen, bis sich die Aromen gut im Fett verteilt haben. Dann Rosmarin und Knoblauch herausnehmen und die Brösel mit dem Fett vermischen. Unter wachsamen Augen bei mittlerer Hitze und vielfachem Umrühren rösten, bis die Brösel knusprig und gut gebräunt sind. Zur Seite stellen.

Und so wird’s gemacht:

Den Hühnerfond erhitzen und bereit stellen. 2 EL Olivenöl in einem großen, breiten Topf erhitzen und Zwiebel mit dem Knoblauch darin leicht anbraten. Sobald die Zwiebeln glasig sind, den Risottoreis hinzufügen, gut umrühren und andünsten lassen, bis er leicht glasig wird. Dann mit der Hälfte des Weißweins ablöschen, weiterrühren und den Rest des Weins hinzufügen, sobald der erste Teil komplett weggekocht ist. Den zweiten Teil auch noch reduzieren lassen. Sobald der Wein komplett verkocht ist, kellenweise den Hühnerfond hinzugeben und die Flüssigkeit immer erst verkochen lassen, bevor eine neue Kelle nachgegossen wird. Dabei immer wieder rühren, sodass sich die Stärke aus den Reiskörnern lösen kann und das Risotto nach und nach schön sämig macht.

Kurz vor Ende der Garzeit des Risottos die Hälfte der Kürbiswürfel aus dem Ofen unter das Risotto mischen, dann zu Ende garen. Falls das Risotto nach dem Verkochen der gesamten Flüssigkeit noch zu bissfest ist, mit einigen Löffeln Wasser weitermachen bis die Körner al dente sind. Nach Geschmack salzen und pfeffern sowie Parmesan, Petersilie und Butter unterrühren und das Risotto abschließend bei geschlossenem Deckel 3-4 Minuten ruhen lassen, damit sich die Aromen gut verbinden können. Währenddessen in einer Pfanne 3 EL Olivenöl mit einer angedrückten Knoblauchzehe erhitzen und darin die andere Hälfte der Kürbiswürfel rundum scharf anbraten. Salzen und pfeffern, Knoblauchzehe entfernen.

Das Risotto auf Tellern anrichten, die angebratenen Kürbiswürfel darüber geben, mit einigen Spritzern Olivenöl beträufeln und dann mit den Knusperbröseln bestreuen.

Bon Appétit!

 

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3 Comments

  • Reply Wettlauf gegen den Hunger | Genusssucht 6. Mai 2013 at 21:12

    […] im Gegensatz zum rundköpfigen Bruder. Es ist eben ein bisschen wie mit jeder kulinarischen Saison-Affäre: Erst ihre zeitliche Begrenzung macht sie zu etwas wirklich […]

  • Reply Genusssucht I Wettlauf gegen den Hunger | Genusssucht 4. Februar 2013 at 17:35

    […] im Gegensatz zum rundköpfigen Bruder. Es ist eben ein bisschen wie mit jeder kulinarischen Saison-Affäre: Erst ihre zeitliche Begrenzung macht sie zu etwas wirklich […]

  • Reply M 7. Oktober 2012 at 22:45

    Das sieht eigentlich nach einem guten Freitag Abend Risotto aus. Köstlich. Dänemark schwelgt auch im Kürbisrausch!

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