GENUSSKULTUR LEBEN

Prost! Ein Foodblogger-Jahr im kulinarischen Umbruch

30. Dezember 2012
Prost!

Wir schreiben den letzten Tag vor dem Jahreswechsel, die Apokalypse hat sich offensichtlich noch einmal überlegt, dass es auf dieser Welt doch nichts zu holen gibt, was sie unbedingt haben möchte, wir haben alle Weihnachten (in welchem Zustand auch immer) überstanden, sind weder an Fischgräten noch an bissigen Familienkommentaren erstickt und haben eigentlich ganz schön viel erlebt in diesem Jahr, wenn man mal genauer hinschaut. Zeit also für einen von Millionen Jahresrückblicken, einem persönlichen und weitgefächert kulinarischen.

Mein 2012 startete mit der Erfindung, auf welche die gesamte Menschheit gewartet haben muss, jedenfalls fühlte es sich so in etwa an, als ich mit heftigstem Herzklopfen am frühen Abend des 15. Januar 2012 allen Freunden eine Mail schickte mit einer in den Tagen zuvor entstandenen Broschüre im Anhang und dem ominösen Betreff „Genusssucht“. Kurze Zeit später waren schon 23 Antworten eingeflattert, teils lange Mails mit wunderbaren Komplimenten, teils steno-ähnliche Kurznachrichten mit klaren Botschaften wie „Hammer. Endlich! Wann muss ich da sein?“. Die Antworten überwältigten mich sehr. So sehr, dass zwei Tage später auch noch der Genusssucht Blog geboren wurde, ursprünglich als begleitendes Reportage-Tool angedacht.

[flickr id=“7100370799″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“6954300250″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“6954296442″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“6954275538″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“6954269248″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]

 

 


(Eisige Sehnsuchtszeit im umtriebigen Genusssucht Früh-Frühling)

Gerade einmal 9 Tage später fand dann auch schon der erste Genusssucht Abend meines gerade geborenen Supper Clubs für Freunde statt, mit einem kleinen 3-Gänge-Menü zum Auftakt. Die Aufregung war groß, die Tafelrunde klein, aber ausgesprochen fein. Und die Gäste- und Wunschliste für bis dato noch nicht existente Folgetermine war schon lang.

[flickr id=“7100376283″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“6954307682″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“6954308306″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“6954307784″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]

 

 


(Vorfreudige Vorbereitungsszeit im späteren Genusssucht Frühling)

Ich konzentrierte mich fortan sehr auf die Menüs, feilte lange an Zusammenstellungen und Logistik, lernte Menüs in Mengen und Kosten zu kalkulieren, um nicht völlig über dem Unkostenbudget der Spenden herauszukommen und am Ende drauf zu zahlen, machte mich langsam mit dem Bloggen vertraut, damals noch umständlich und nervig, weil leider nicht richtig individuell zu handhaben, auf Blogger.

Was vorher schon lange als steter Funken in mir glühte – die Leidenschaft für das Kochen und die Motivation darin noch ein paar eigendefinierte Anspruchsstufen hochzuklettern – war auf einmal nahezu unkontrollierbar entflammt. Ich wusste, worauf ich hin arbeitete: Lyon.

[flickr id=“6954306602″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“][flickr id=“7100375243″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“][flickr id=“7100375855″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“][flickr id=“7004096462″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“6972951510″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]

 

 


(Aufregende Zeiten direkt im Zeitalter Vorlyon)

Zahlreiche Genusssucht Abende mit wunderbar unterschiedlichen Gästen später war es dann auch soweit und ich reiste fast manisch motiviert und auf so ziemlich alles eingestellt nach Frankreich, um mir dort meine Lektion in französischer Küche abzuholen. Ich hatte mir fest vorgenommen, lückenlose Bericht zu erstatten und verbrachte die wenigen echten Freiminuten oft mit dem Versuch von Zusammenfassungen von Tagen, die ich nicht einmal in Kamera und Notizbuch in ihrem Umfang einfangen konnte. Und scheiterte nach Woche 4 an der immer höheren Schlagzahl von Information und Sprüngen, die ich dort in Küche, Herz und Kopf machten.

Um alles aufsaugen, genießen und überhaupt mitnehmen zu können, entschied ich mich deshalb in den letzten Wochen die Berichterstattung über Seminare, Ausflüge und Restaurantbesuche auszulassen. Es ist meine Lücke in der Reportage, die bis heute ungefüllt ist, dessen bin ich mir sehr klar bewusst. Vielleicht fülle ich sie irgendwann auf und hole all das nach. Manche Dinge brauchen ihre Zeit, bis sie reif sind.

[flickr id=“7191240442″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“][flickr id=“7185441162″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“][flickr id=“7185606542″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“7185271280″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“7236181502″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]

[flickr id=“7309674024″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“][flickr id=“7190017838″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“][flickr id=“7329791594″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“7329790110″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]

 

 

 

 

(Die kulinarischste Zeit des Genusssucht Jahres am Institut Paul Bocuse in Lyon)

Als ich wider meinen Willen von einer guten Freundin zurück nach Deutschland gebracht wurde (im Flugzeug schwipste ich mich aus Abschiedsschmerz herrlich an), änderte sich nochmal nahezu alles. Ich roch anders, schmeckte anders, sah anders, fühlte anders, dachte anders über viele Punkte. Und hielt mich erstmal gute zwei Wochen vom Essen fern, weil alles ein bisschen fad, ein bisschen grau, ein bisschen zu nichtlyon war. Lyon war ein tiefgreifender Schnittpunkt in diesem Jahr. Er trennte das Jahr in zwei Entwicklungsstufen: die Phase der ambitioniert, aber unbewiesen gute Hobbyköchin und Foodbloggerin (das Zeitalter, das nun salopp nur noch „Vorlyon“ heißt) und die danach folgende Zeit der noch ambitionierteren, nahezu grundausgebildeten Semi-Professionellen, die ihre Messlatte innerhalb weniger Wochen einfach mal unbewusst um einige Sprossen nach oben gesetzt hatte und, trotz der Abwesenheit jeglichen Wettkampfgedankens, endlich im Vergleich mit anderen Amateur-Köchen wesentlich selbstbewusster ob ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten geworden war (in historischen Werken ab da nur noch „Nachlyon“ genannt).

Was Vorlyon nicht messbar war, nur eine gefühlte Wahrheit, war danach eine Sicherheit. Ich konnte kochen. Ich kannte die Grundtechniken. Ich hatte noch lange nicht alles gemacht, aber verdammt vieles. Und für den Rest war ja Nachlyon noch ausreichend Zeit bis zum Lebensende oder zumindest bis zum Verfall der Geschmacksnerven.

[flickr id=“7329785746″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“7329803092″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“7329790964″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]  [flickr id=“7185275076″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]

 

(All diese Erinnerungen und Köstlichkeiten, hach…)

Mit einer riesigen Schatztruhe voller neuer Ideen und Inspiration wurde es schnell arbeitsam – nach Bewältigung einer kurzen, aber recht intensiven Rückkehrer-Depression (Wo bitte ist die Profi-Küche mit der ich jetzt alles nachkochen kann? Was soll ich hier in Hamburg, wenn es hier keine Menschen gibt, die mit Würde einen Toque, den klassisch französischen Kochhut, tragen wollen? Und wo bitte gehe ich jetzt essen, damit es wenigstens so schmeckt wie in der von Kochschülern betriebenen Kantine des Instituts? Motzen, nölen, meckern, alles doof .).

[flickr id=“7510506770″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“7493944204″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“7561381420″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“7440285796″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]

 

 

(Gedankennahrung, Nachlyon.)

Was ich wochenlang aufgenommen hatte, wollte verarbeitet werden. Nicht in resümierenden Texten, sondern in hunderten von Ideen, die mir irgendwann zwischenzeitlich kamen und für die es während dieser hochinspirativen Zeit in Lyon keinen Raum zum Festhalten oder Weiterdenken gab. Während ich im Juli noch versuchte manche Dinge im Kopf zu sortieren, waren im August schon fast beängstigend große Gedankenkonstrukte in mir, die sich haushoch in meinem Hirn türmten. Ich schloss mich fast 2 Monate komplett von der Außenwelt ab, verkroch mich in meiner Ideenstube, tapezierte die Wände meiner gerademal 58 Quadratmeter mit bunten Flipchart-Folien, verlor mich in Ideen, verwarf manche wieder, spinnte, träumte, lebte, liebte diese Zeitqualität.

Als ich im September aus dem Schneckenhaus kam und die Fühler wieder in die Welt streckte, war für mich schon alt, was für Andere neu war. Wovon ich so gelassen zu erzählen begann als sei es seit Ewigkeiten im Gespräch, überraschte viele Menschen im engsten Kreis, weil sie es nicht gewusst und nicht erahnt hatten. Aus den vielen Ideen war eine recht umfassende Geschäftsidee für mehrere kurz-, mittel- und langfristige Phasen erwachsen, zu deren erstem Teil ich euch zum Jahresstart mehr erzählen werde, weil Neues eben besser zu einem Neubeginn eines Jahres passt als zum Abschluss eines alten. Aber erst einmal prasselten Fremdreaktionen auf mich ein, denen ich zuhören wollte, über die ich nachdenken wollte und aus welchen ich teil wichtige Rückschlüsse für Überarbeitungen zog.

[flickr id=“8089952739″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“8056415469″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“8090447101″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“][flickr id=“7725234028″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]

 

 

(Mehr Lyon in Hamburg, bitte.)

Ich habe in diesem Jahr Dinge probiert, die ich vorher nicht gewagt hätte, habe mich selbst und andere herausgefordert. Nicht alle wollten mir im heftigen Sog dieser Zeit folgen, aber die Wichtigen sind alle geblieben. Alle, die verstehen wie es ist, für eine Idee und einen Anspruch lichterloh zu brennen. Alle, die verstehen, dass das Probieren genauso zu mir gehört wie das Atmen. Ich habe gewollt, geliebt, geschwitzt, geächzt, gelacht, gedacht, geheult, geplant, gebrummt, gemacht, gelebt. Und würde, müsste ich nochmal durch dieses Wetterchaos, nicht auf einziges Mömentchen verzichten wollen.

[flickr id=“8325038985″ thumbnail=“medium_640″ overlay=“true“ size=“medium_640″ group=““ align=“left“]

 

(Das kulinarisch größte Mömentchen von allen in diesem Jahr, Besuch Maison Troisgros in Roanne.)

Sicher ist, dass 2012 mein kulinarisches Coming Out war. Ich habe viel aufgegeben für diesen Umbruch, habe mich sehr fokussiert und viele Dinge von Grund auf in Frage gestellt und überprüft. So aufregend und durchweg positiv wie alles klingt, war es natürlich nicht zu jeder Zeit und an jeder Stelle. Aber genau in diesen Wellenbewegungen liegt meiner Meinung nach der Sinn des Lebens. Es einfach so zu nehmen, wie es kommt, während man versucht an den Komplikationen vorbei auf ein Ziel hin zu steuern. Mit allen Jahreszeiten und Wettern. Denn wenn am Ende der Jahreszeiten die Sonne im Herzen strahlt, obwohl es draußen nieselt und stürmt, dann hat man etwas richtig gemacht. Dann hat sich wirklich jeder Moment gelohnt, egal ob tief unten oder weit oben auf den Wellen.

[flickr id=“8276345355″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“8255167558″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“8128065863″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“] [flickr id=“8254983342″ thumbnail=“thumbnail“ overlay=“true“ size=“thumbnail“ group=““ align=“left“]

 

 

(Genuss vom Gedanken bis zum Teller im Genusssucht Spätherbst.)

Genau deshalb wünsche ich euch allen einen großen Auftaktknall für ein verheißungsvolles 2013, den Mut lange gehegten Gedanken oder Ideen zuzuhören, die Liebe, die es braucht um aus ihnen etwas Besonderes zu machen, die Selbstsicherheit und Kraft sie umzusetzen und die Fähigkeit, diese Schritte in all ihrer Fehlbarkeit am Ende für euch genießen zu können.

Macht etwas Besonderes aus 2013.
Startet mit dem leeren Tisch und deckt ihn so, wie ihr es euch wünscht.
Wachst weit über euch hinaus und stoßt morgen Abend schon einmal kräftig darauf an.
Egal, was kommen mag. Egal in welcher Hinsicht.

Happy End zum Jahresende. Für euch alle.

Cheers!

[flickr id=“8326095580″ thumbnail=“medium_640″ overlay=“true“ size=“medium_640″ group=““ align=“left“]

 

 

You Might Also Like

1 Comment

  • Reply Aurélie 13. Januar 2013 at 19:07

    Du hattest ja ein wunderschöne Jahr 2012, und ich hoffe dass, 2013 noch schöner sein wird.
    Ich freue mich wieder von dir zu lesen, und wünsche mir, dass wir uns wieder im 2013 treffen würde ! ( Hamburg ist doch ein schöne Stadt! )
    Bonne Année et bonne Santé
    Gros Bisous
    Aurélie

  • Leave a Reply

    Ausrechnen, eintippen und dann absenden. * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

    Genuss bringt Menschen zusammen.
    Du willst mehr kulinarische Anekdoten und Rezepte? Dann trage dich für den Newsletter ein. Als Dankeschön erhältst du ein RECETTE DU WEEK-END mit allen Genussextras.