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Kulinarische Lücke

29. Juli 2012
Genuss_sucht_kulinarische Lücke

Es waren arbeitsame Tage, die mich zuletzt vom Blog fernhielten. Sie waren der Arbeit und dem Lernen gewidmet, dazwischen blieb keine Zeit für mich und anderes. Es war interessant, an mir selbst zu beobachten, dass ich statt des üblichen unbedachten Stressessens, das früher in hektischen Arbeitsphasen die Kontrolle über meine Nahrungsaufnahme übernahm, in Genussverweigerung ging. Keine Bange – sie hielt nicht länger als 12 Stunden am Stück an. Doch anstatt ein liebloses, aber trotzdem mächtiges Mittagsgericht vom nächsten Bioladen an den Schreibtisch zu holen und es zwischen Mails und Telefonaten herunterzuschlingen, wich ich mittags auf ein selbstgebasteltes Käsebrötchen aus. Mit guter Butter und bedeutungslosem Gouda. Nicht, weil ich am Abend groß zu speisen erhoffte, sondern vielmehr weil ich ja nicht einmal Zeit zum Genießen hatte. Ich wollte nicht schlingen. Ich wollte essen. Nur eben nicht um jeden Preis. Also sättigte das Käsebrötchen den Moment der kulinarischen Lücke. Während meine Genussseele von tollkühnen Geschmackserlebnissen und -kombinationen träumte und mein Verstand die Projekte vom Tisch wegarbeitete vermisste ich meine Küche wirklich sehr.

Genuss sucht_Himbeer Flammkuchen2

Doch am Abend, wenn ich das Biomarkt-Angebot nur noch durch geschlossene Ladentüren erspähen konnte und mich in den letzten Minuten noch schnell in den noch spät geöffneten Normal-Supermarkt schleichen konnte, da waren weder Zeit noch Energie übrig für große Küchenexperimente. 12 Stunden waren zuviel Zeit für ein einziges Käsebrötchen. Das Abendessen musste schnell auf den Tisch, ich war hungrig, brauchte deshalb eine schnelle Lösung. Ein einziger Gang vorbei am Kühlregal und da war sie: die Lösung! Was anderen Menschen das kalte Abendbrot ist, ist in arbeitsreichen Phasen bei mir der Flammkuchen. Weil er sich in Temperatur und Knusprigkeit vom Abendbrot unterscheidet. Nicht so rustikal ist und mehr ein echtes Gericht als eine lückenfüllende Brotscheibe. Abendbrot ist nicht unbedingt meine Welt. Abend-Flammkuchen jedoch umso mehr.

Passable Fertig-Unterlagen aus dem Flammkuchen-Land ohne stutzig machende Inhaltsstoffe führt glücklicherweise der gut sortierte Supermarkt an der Ecke. Bis man die schnell belegt hat, kann der Ofen schon mächtig vorheizen und 5 Minuten nach dem Reinschieben steht das fertige Abendessen auf dem Tisch. Dampfend, warm, frisch zubereitet, unfassbar krachend-knackend-lecker-schmeckend. Kein Dreck (ausgenommen der Bröselei, die entsteht, wenn man das Ding unbedingt auf dem Sofa essen will), kaum Aufwand, trotzdem alles andere als eine Notlösung. Und dazu genau die richtige nicht-so-sehr-beschwerende Portion, um nach einem so späten Abendessen noch etwas Blut für die Konzentrationskurve zu behalten. Das Krachen weckte mich wieder aus dem Tagestrott auf. So konnte ich nach einem Flammkuchen wieder halbwegs frisch an den Rest meines persönlichen Tageswerks gehen und lernen, bis die Augen schmerzten und ich Sätze viermal lesen musste, um ihren Inhalt zu begreifen. Zu diesem Zeitpunkt half sowieso nur noch eins: eine kleine Tasse aufgeschäumter heißer Schokolade aus 100%-igem Schokoladen-Pulver von Valrhona als Tagesabschluss. So wird für mich aus jedem Tag am Ende ein guter. Es gibt wirklich keine heiße Schokolade, die echter schmeckt.

Genuss sucht_Blaubeer Flammkuchen2

Was da abends spontan in meiner Küche entstand kann hundertfach variiert werden und passt sich ganz wunderbar den vorhandenen Kühlschrank-Vorräten an. Die klassische Flammkuchen Variante mit Schinkenspeck, Zwiebeln und Crème Fraîche kennen mit Sicherheit alle. Aber die Woche war heiß und mir war nach etwas Frischem, außerdem ist Beerenzeit und die mag ich am liebsten gepaart mit Kräutergewächs. Dazu hatte ich noch einen so fantastisch cremigen Valencay Ziegenkäse in meiner großen, nie leer werdenden Käse-Glas-Box, der unbedingt gegessen werden wollte. Glücklicherweise habe ich ein nahezu unerschöpfliches Repertoire an verschiedenen Ölen, Essigen, Gewürzen und meist auch einige verschiedene frische Kräuter.

Das Wunderbare an diesen fertigen Flammkuchen-Böden ist ja, dass sie in der Regel in 2er-Packungen daher kommen. So ist das nächste lange Arbeitstag-Ende gleich mitgerettet, denn länger bringt man den Boden ohnehin nicht durch, weil sie recht schnell austrocknen.  Um nicht immer bei den klassischen Kombinationen zu bleiben, gibt es deshalb aus der vergangenen Woche gleich 2 Flammkuchen-Versionen mit Valencay und Beeren, die beide zwischen süß und salzig schwanken und deshalb auch gleich Abendessen und Dessert in einem waren… Also merkt euch: Es gibt wirklich keinen Grund, den Genuss nur wegen Zeitmangel über Bord zu werfen.

Ich wünsche euch einen genussreichen Sonntagabend und eine ebenso genüssliche Woche!

 

Genuss sucht_Himbeer Flammkuchen

FLAMMKUCHEN MIT VALENCAY ZIEGENKÄSE, HIMBEEREN, PISTAZIENÖL-MARINIERTEM BABYSPINAT UND THYMIANBLÜTEN

 

Zutaten für 1 Person:

1 Flammkuchen-Boden
2 EL Crème Fraîche
1-2 TL Wasser
1/2 Valencay Ziegenkäse
einige frische Himbeeren
1 handvoll Baby-Spinat-Blätter
sehr gutes Pistazienöl
einige blühende Thymianspitzen
Fleur de Sel, Pfeffer

So wird’s gemacht:

Ofen auf höchster Stufe (bei mir 225 Grad Ober-/Unterhitze) vorheizen. Baby-Spinat waschen, trocken schleudern und beiseite stellen. Flammkuchen-Boden auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Crème Fraîche mit einem kleinen bisschen Wasser glattrühren und auf dem Flammkuchen verstreichen. Etwas Fleur de Sel auf den Boden streuen. Den Valencay Ziegenkäse in Scheiben schneiden und auf dem Flammkuchen verteilen. Himbeeren darauf verteilen. In den Ofen geben und ca. 5 Minuten backen bis die Ränder des Boden sich blasenartig und gut gebräunt Blasen werfen. In der Zwischenzeit in einer Schüssel den Baby-Spinat mit 2 EL gutem Pistazienöl, einer Prise Fleur de Sel und etwas frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer vorsichtig per Hand marinieren.

Flammkuchen aus dem Ofen nehmen, ca. 1 Minute abkühlen lassen, dann den marinierten Baby-Spinat und die blühenden Thymianspitzen auf dem Flammkuchen verteilen. Nach Wunsch noch etwas mehr Pistazienöl auf dem Flammkuchen verteilen und ganz schnell loskrümeln!

 

Genuss sucht_Blaubeer Flammkuchen

FLAMMKUCHEN MIT VALENCAY ZIEGENKÄSE, BLAUBEEREN, ROSMARIN, MARINIERTEM BABY-SPINAT UND TANNENHONIG

 

Zutaten für 1 Person:

1 Flammkuchen-Boden
2 EL Crème Fraîche
1-2 TL Wasser
1/2 Valencay Ziegenkäse
eine handvoll frische Blaubeeren
1 kleiner Zweig Rosmarin
1 handvoll Baby-Spinat-Blätter
1 EL weißer Balsamico
1 EL aromatische Tannenhonig
Fleur de Sel, Pfeffer

So wird’s gemacht:

Ofen auf höchster Stufe (bei mir 225 Grad Ober-/Unterhitze) vorheizen. Baby-Spinat waschen, trocken schleudern und beiseite stellen. Flammkuchen-Boden auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Crème Fraîche mit einem kleinen bisschen Wasser glattrühren und auf dem Flammkuchen verstreichen. Rosmarinnadeln vom Zweig abstreifen und fein hacken, dann auf dem Boden verteilen. Den Valencay Ziegenkäse in Scheiben schneiden und ebenfalls verteilen. Blaubeeren darauf geben. In den Ofen geben und ca. 5 Minuten backen bis die Ränder des Boden sich blasenartig und gut gebräunt Blasen werfen. In der Zwischenzeit in einer Schüssel den Baby-Spinat mit dem weißen Balsamico vorsichtig per Hand marinieren.

Flammkuchen aus dem Ofen nehmen, ca. 1 Minute abkühlen lassen, dann den marinierten Baby-Spinat auf dem Flammkuchen verteilen. Den Honig auf dem Flammkuchen verteilen und genießen!

Bon Appétit!

 

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2 Comments

  • Reply Genuss sucht – Französische Spezialitäten: Sainte-Maure 12. Januar 2014 at 20:16

    […] Pouligny-Saint-Pierre, Selles-sur-Cher, Valençay, mein ausgesprochener Lieblings-Chèvre, wie man hier und hier nachlesen kann – und zu guter letzt auch der Sainte-Maure de […]

  • Reply Frische Freitag – Himbeer Schafkäse – Flammkuchen 14. Januar 2013 at 01:50

    […] Himbeeren, 150g Schafskäse und eine Zwiebel entschieden (für diese Kombination habe ich mich bei Genuss-Sucht inspirieren […]

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