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Herbstfeuer

23. September 2012
Genuss_sucht_Herbstfeuer

Es war ein arbeitsames Wochenende, zurückgezogen an meinem Schreibtisch. Ich tüftelte bis spät in die Nacht hinein über Menüs für neue Genusssucht Abende, arbeitete an neuen Ideen, erstellte lange Listen und Stundenpläne für mich selbst, brachte eine diszipliniertere Ordnung in die Dinge, die da kommen mögen, hörte dabei laut Musik und tänzelte mit Milchkaffeegläsern und Teetassen in der Hand durch die Wohnung. Wenn es draußen wieder kalt wird, ist es wunderschön, zuhause zu sein.

Mein Herbst-Winter-Übergangs-Mantel wurde Freitagabend aus der Winterkleidungskiste vom Schrank geholt und sofort ausgeführt als ich mit einer der entzückendsten Freundinnen, die sich ein Mensch in seinem Leben nur wünschen kann, in den kühlen Abend hinausschritt um seit langer Zeit mal wieder gemeinsam auswärts zu essen. Es gibt ja schließlich nicht nur Selbstgemachtes.

Doch bevor wir loszogen, überraschte sie mich mit einem großen Jutebeutel frisch aus ihrem Garten gezogenen Ernteguts. Schnell verstaute ich die erdig duftenden Rüben im Kühlschrank, legte die lange Rauke in das ohnehin schon vom Morgenausflug auf den wunderbaren Isemarkt gut gefüllte Gemüsefach und suchte schnell einige Kühllücken für Tomaten und Zucchiniblüten. Die riesige gelbe Zucchini selbst musste allerdings draußen bleiben, sie fand keinen Platz mehr. Der Abend nahm seinen Lauf, der Wein und ein Folgecocktail auch und als meine Füße nachts völlig durchkühlt zurück nach Hause kehrten, war klar, dass die Dicke-Socken-Saison soeben begonnen hatte.

Als ich das in Zeitungspapier eingewickelte Päckchen  Mohrrüben am Samstag aus dem Kühlschrank zog, rieselte mir feine, dunkle Erde entgegen. Die Karotten trugen noch kleine Dreadlocks mit Erdkügelchen daran und becircten mich mit einem wirklich äußerst selten zu findenden Mohrrübenduft. Ehrlich gesagt kann ich mich wirklich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal aus einem Meter Abstand Möhren riechen konnte. Selbst auf dem Markt kauft man meistens schon einige Tage alte Ware, die feinen Düfte sind dann schon längst verströmt. Mir blieb also nichts anderes übrig, sie bemühten sich so sehr um meine Aufmerksamkeit, brachten den Magen zum Knurren. Das erste kleine Rübchen verschwand nach einer kurzen Peeling-Abreibung mit der Gemüsebürste sofort in meinem Mund. Es knackte herrlich, krachte laut beim Kauen weiter, verteilte eine sehr dezente wenngleich präsente rettichähnliche Schärfe in meinem Mund und versöhnte mich sofort danach mit einer milden, liebreizend-subtilen Süße. Während sie meine Sinne raubten, entstand schnell ein Plan, auf den mein Bauch mit einem erneuten Hunger-Grummeln antwortete. Wir beide vermissten ein bisschen Feuer im kühlen Tag.

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So hübsch wie sie waren, mit dunkelroter Schale, gelben Nuancen und gelb-orangenem bis weißem Innenleben mussten sie unbedingt ein bisschen Schärfe abbekommen, eine indische Note, die sich gut zur Rettichnote hinzu addieren würde, dazu einen kräftigen Gegengeschmack, der das auffangen konnte. Zum Glück hatte ich Lammhack gekauft. Einen würdevolleren Partner hätten diese Möhren kaum finden können. Um alles abzuschließen, wollte ich aber noch der Süße dieser Möhren einen ebenbürtigen Partner zur Seite stellen. Einer, der krachte und ein bisschen Aufregung in die sonst recht bröselig weiche Veranstaltung bringen würde. Pecan Nüsse, karamellisiert in holzig-waldigem Kastanienhonig, jawohl. Die kleine Geschmacksgruppe verstand sich am Ende wirklich prächtig miteinander.

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Ich war so begeistert, dass mir erst nach Fertigstellung des Gerichts einfiel, dass ja irgendeine Beilage fehlte. Am liebsten wünschte ich mir eine feine Pita herbei, in die man den ganzen Spaß einpacken könnte mit ein paar Blättern Rauke vielleicht, um dann mit großen Bissen diese Geschmacksvielfalt im Mund feuerwerksähnlich explodieren zu lassen. Leider waren aber keine Pitas im Haus, daher wurde es bei mir ein Häufchen Basmati, dass dem wunderschönen Turm zu noch mehr Höhe verhelfen konnte. Beim nächsten Mal habe ich dann aber auf jeden Fall Pita im Haus – das musste ich mir selbst versprechen.

Nun aber auf in den Garten, Möhren aus dem Beet ziehen, ein Lamm schlachten und dann mit aller Kraft mörsern. Wappnet euch für eine Geschmacksexplosion! Ich beschäftige mich derweil mit den anderen Köstlichkeiten in meinem Kühlschrank, um euch bald wieder berichten zu können, was damit alles passiert ist.

PS: Für Schärfe-Unverträgliche bitte von den scharfen Gewürzen (Chili, Ingwer, Bockshornklee, Garam Masala) nur die Hälfte nehmen. Danach macht das gericht aus meiner Sicht zwar nur Halb so viel Spaß, brennt dafür aber nur halb so viel im Mund!

 

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LAMMHACK-KAROTTEN-PFANNE MIT GARAM MASALA UND KARAMELLISIERTEN PECAN-NÜSSEN

Zutaten für 2 Personen:
500 g Lammhack
3 große Möhren
2 EL Sesamöl
1 Knoblauchzehe
1 Stück frischer, fester Ingwer (ca. daumengroß)
1 frische rote Chilischote (oder eine halbe Milde für alle, die nicht so schärferesistent sind wie ich)
1 TL Fenchelsamen
1 TL Kreuzkümmel
1/2 TL Bockshornklee
2 TL Garam Masala
2 EL schwarzer Sesam

Für die karamellisierten Nüsse:
100 g Pecan Nüsse
2 EL Honig (besonders gut passt zu den Gewürzen ein kräftiger Honig, wie z.B. Kastanienhonig oder Waldhonig)

Das Gericht kann auf knackig-herbem Salat mit einem Pita Brot dazu serviert werden oder auf Basmati Reis.


Vorbereitung:

Karotten gut mit der Bürste abreiben und ordentlich waschen. Mit einem Hobel in dünne Scheiben hobeln (ca. 2 mm dick)- Ingwer schälen und in sehr feine Würfel hacken. die ungeschälte Knoblauchzehe mit einem großen Messer platt drücken. In einem Mörser Fenchelsamen, Kreuzkümmel und Bockshornklee und Garam Masala zu feinem Pulver verarbeiten. Sesam in einer Pfanne (ohne Öl) leicht anrösten und beiseite stellen.

So wird’s gemacht:

Für die karamellisierten Pecan Nüsse eine Lage Backpapier auf ein Backblech legen. Den Honig in einen kleinen Topf geben und langsam karamellisieren lassen bis er etwas dickflüssiger ist als die Ausgangskonsistenz. Darauf achten, dass er nicht verbrennt. Sobald die Konsistenz dicker ist, die Nüsse hinein werfen, kurz umrühren, sodass alle Nüsse mit dem Honig ummantelt sind. Sofort von der Hitze nehmen und umgehend auf das Backpapier gießen (Vorsicht, heiß!), dabei gut verteilen und dann erkalten lassen.

Sesamöl in einer großen Pfanne erhitzen. Angedrückte Knoblauchzehe, Chiliringe und Ingwerwürfel hinzugeben und ca. 2 Minuten im Öl anbraten. Danach das Lammhack zugeben und scharf anbraten. Sobald das Fleisch kross angebraten ist, das Gewürzpulver hinzugeben und noch ca. 2-3 Minuten weiterbraten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann die Karottenhobel hinzugeben und einige Minuten mit anbraten bis sie gar, aber noch leicht bissfest sind. Sofort auf einen Teller geben, mit dem gerösteten Sesam und den karamellisierten Walnüssen bestreuen und ganz schnell genießen.

Bon Appétit!

 

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1 Comment

  • Reply M 24. September 2012 at 08:36

    Oh so hübsch sind unsere Möhren! Freut mich dass unsere Sonderlinge gemundet haben. Ist halt keine Allerwelts-Möhre.

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