Genussdezember

Genussdezember: ein kulinarischer Deeskalationsplan

30. November 2015
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Juhu! Der November ist fast komplett vertrieben, nur noch eine letzte Silhouette sieht man von ihm am Horizont. Zeit um endlich wieder zu entspannen und das Jahresende gebührend zu genießen. Aber oh je, ist wirklich schon fast Dezember? Und bringt der Dezember nicht zwangsläufig immer ein stressiges, viel zu beschäftigtes Jahresende mit sich?

Damit magst du in der Vergangenheit recht gehabt haben. Aber in diesem Jahr nicht. Denn, so glaube ich, der Großteil des Stresses ist hausgemacht und selbsterwählt – ein Zustand, den man sich in vielen kleinen Entscheidungen selbst herbeizaubert. Natürlich gibt es da die vielen Einladungen, Weihnachtsfeiern, Shoppingausflüge, all die Gedanken um das beste Weihnachtsmenü aller Zeiten, die sensationellsten Weinbegleitungen dazu, die schönsten Geschenke und das aufregendste Festtagsprogramm mit der gesamten Verwandtschaft. Am Ende wollen wir es eigentlich allen nur recht schön und bequem machen.

Uns selbst vergessen wir dabei aber gerne so lange, bis wir miesepetrig und hochgenervt in den heiligen Abend starten – mit Schweißflecken unter den Armen von den ausufernden Menüvorbereitungen – und uns ab diesem Zeitpunkt den Geschehnissen nur noch kraftlos hingeben anstatt sie ausgeruht in vollen Zügen zu genießen.

 

Genau an diesem Punkt sitzt die größte Enttäuschungsgarantie:
Wir wollen so viel. Und wir wollen alles gleichzeitig.
Vor allem aber soll alles perfekt und besonders sein.

 

Es fängt beim entkoffeinierten Kaffee für Oma Lise an und hört beim sehnsüchtigsten Herzenswunsch des Liebsten auf: wir wollen allen das schönste Weihnachtsfest bereiten. Nicht einmal allein sind wir mit diesem einzigen, starren Wunsch. Denn eigentlich wollen das auch alle anderen. Am Ende bekommt es aber seltsamerweise keiner.

Nicht, weil der entkoffeinierte Kaffee nicht schmeckte oder der sehnsüchtigste Wunsch doch nicht der sehnsüchtigste Wunsch war, sondern weil wir uns mit den Vorbereitungen im Vorfeld so verausgabt haben, dass wir als Schatten unserer selbst in den Sessel vor dem Weihnachtsbaum fallen. Nicht mehr fähig ohne gereizten Unterton zu kommunizieren.

Am meisten ärgern wir uns dann darüber mal wieder selbst am allerwenigsten vom Weihnachtsfest zu haben. Weil wir Nachmittage lang wie Getriebene durch überfüllte Kaufhäuser und Shops hasteten, unsere to-do-Liste für die Vorbereitungen des Weihnachtsmenüs einfach kein Ende nehmen wollte, der vom Gatten erjagte Tannenbaum nicht so perfekt gewachsen ist wie die hochglanzmagazingeprägte Fantasie es sich ausgemalt hatte und Oma Lise statt entkoffeiniertem Kaffee jetzt lieber einen anständigen Likör hätte, der natürlich nicht im Haus ist. Und überhaupt, weil keiner dankbar ist und würdigt, wieviel Stress wir auf uns genommen haben für diese Weihnachtstage.

Doch sehen wir es schmerzvoll ein: wir selbst sind die Verursacher für all den Stress der Vorweihnachtszeit und wir haften dafür in vollem Umfang.

Ja, da ist eine anspruchsvolle Familie mit lang gehegten Traditionen und wohl gepflegten Bräuchen. Ja, vielleicht sind da auch Kinder, die mit großen Augen auf große Geschenke und ganz viel Weihnachtszauber warten. Ja, da sind Menschen, welchen man zum Fest aller Feste alle Wünsche von den Augen ablesen möchte um später als die beste Mutter, beste Freundin, beste Gattin, beste Tochter, beste Schwiegertochter und überhaupt weltallerbeste Weihnachtsorganisatorin Ruhm und Ehre zu genießen. Vor allem aber ist da eines: eine fast unerfüllbare Erwartungshaltung.

Nichts darf dem Zufall überlassen werden, kein Platz für Spontanität. Unser vermeintlich entspanntes Weihnachtsfest ist so durchgeplant und fest getaktet wie ein Großevent für 200 Menschen. Wie soll dabei auch nur irgendjemand noch er selbst bleiben, sich zurücklehnen, Musik oder einen Drink genießen, das Treiben der überdrehten Kinder und der meckernden Oma mit Gelassenheit hinnehmen?

Fangen wir mit der Entspannung bei uns selbst an! So rechtzeitig, dass der übliche Weihnachtsstress aufkommen kann.

Denn wir alle wissen von der unkontrollierbaren Gruppendynamik. Hat die Oma erstmal zu forsch nachgefragt, warum man den Likör vergessen hat und die Schwiegermutter behauptet, man hätte die Gans lieber anders zubereiten sollen, fällt unsere nächste Ermahnung der wilden Kinderhorde schon wesentlich schärfer aus. Und husch, husch sind auf einmal auch die Kinder schlecht gelaunt, der Mann verbreitet zynische Witze über schöne Weihnachtsfeste und der Hund verzieht sich lieber unter der Weihnachtsbaum weil die Stimmung längst verseucht ist und man da nicht mehr mit bettelnden Augen neben dem Tisch warten muss.

 

Mehr geschehen lassen und genießen ist die Devise. Denn das ganze Jahr über erfüllen wir unser Soll und folgen fremdbestimmten Plänen. Können wir das an Weihnachten nicht einfach mal sein lassen?

 

Oder es zumindest auf ein Mindestmaß reduzieren? Nicht erst an den Feiertagen, sondern schon in den Wochen davor. Im Sinne aller Menschen, mit denen wir doch eigentlich nur nah zusammenrücken wollen, weil sie unsere Liebsten sind, um glückliche und gemütliche Stunden zu verbringen. Oder vielleicht auch einfach für uns selbst, weil wir uns immer und stets der allerliebste Mensch sein sollten.

Aus dieser Motivation heraus steht es uns völlig frei zu entscheiden, ob wir uns dem Stress und der Hektik unterwerfen und noch größere Erwartungshaltungen aufbauen, oder ob wir es einfach mal anders machen. Meine persönliche Entscheidung ist längst gefallen.

IN DIESEM JAHR LÄUFT ALLES ANDERS.

Das habe ich mir nicht nur fest vorgenommen, sondern zu meinem Mantra von allerhöchster Wichtigkeitsstufe gemacht. Ich flüstere es vor mich hin in diesen Tagen, damit es bloß nicht in Vergessenheit gerät.

Es hat sogar schon seine ersten Wirkungen gezeigt: die Weihnachtsdeko-Kiste habe ich schon im November vom Dachboden geholt und es mir einfach in erster Vorfreude schon einmal im Wohnzimmer mit vielen Kerzen, Adventskranz und arrangierten Ästen der frisch geschnittenen Reben im Weinberg gemütlich gemacht. Denn ich habe mir selbst versprochen, dieses Jahr den Advent und die Vorweihnachtszeit in vollen Zügen genießen.

Wenn du auch einen Genussdezember haben möchtetst bist du herzlich dazu eingeladen. Ich habe dazu auch schon was vorbereitet. Ein Mantra zum Auswendiglernen 😉 Das Mantra solltest du so oft wiederholen bis dir schwindlig vor den Augen wird, du Durst nach einem Glas Wein bekommst oder einfach tiefenentspannt einschläfst. Danach folgt, was folgen muss.

 

Bitte entspanne dich jetzt. Und sprich das Weihnachtsmantra für den Genussdezember nach:

Dieses Jahr gehört Weihnachten mir.

Ich werde die Vorweihnachtszeit genießen und mich dabei köstlich entspannen.

Meine Vorbereitungswut reduziere ich auf ein genüssliches Minimum.

Nichts und niemand wird mir meine Vorfreude ruinieren.

Wenn nichts mehr hilft, hilft Wein. Oder ein kleiner Schnaps.
In kleinen Schlückchen, das Weihnachtsmantra wiederholend.

 

Herzlich willkommen, wunderschöner Genussdezember!

Auch wenn wir schon gestern in die erste Kerze des Adventskalenders blickten, ist erst morgen der 1. Dezember. Genug Zeit also, um uns noch das Mantra zu verinnerlichen, bevor der Terminkalender auf Alarmstufe rot umschaltet: den Weihnachtscountdown.

Fangt am besten gleich damit an, auch wenn heute noch in letzter Novemberminute panisch Adventskalender gebastelt werden wollen. Adventskalendersind überschätzt. Nur kurzbeinige Menschen haben da Sonderrechte.

 

Adventskalender waren gestern. In diesem Jahr gibt es einen vernünftigen Deeskalationsplan.

 

Natürlich wird am 1. Dezember die Adventskalenderwelle über uns alle schwappen. Von Blog-Adventskalendern mit allerlei bunten Preisen und so vielen Keksrezepten, dass uns schon von der Fülle der Rezeptbilder ein Sättigungsgefühl erreicht, über Unternehmens-Adventskalender bis hin zu Familien-Adventskalendern. Statt ins gleiche Horn zu tröten habe ich mir etwas anderes überlegt. Ganz im Sinne des Weihnachtsmantras und der Tiefenentspannung.

Genussdezember: Anleitung zum Genießen und Glücklichsein

Im Dezember gibt es auf GenussSucht viele Gegenmittel, die dem Stress der Vorweihnachtszeit trotzen. Genussideen, einfach zubereitete Rezepte, die uns durch den Verpflichtungsmarathon retten, Maßnahmen gegen vorweihnachtliche Ich-habe-noch-nicht-alle-Geschenke-Panikattacken.

Ich teile mit euch Anregungen, wie man kulinarische Höhepunkte auch ohne Stress und tagelange Küchensessions herbeizaubern und auch zwischen der Einhaltung aller Jahresend-Deadlines genug Raum und Auszeit für genüssliche Pausen schaffen kann. Nicht jeden Tag im Dezember, aber an vielen. Wie immer wird sich alles um den Genuss drehen: Essen, Trinken, das Glück des Genussmoments. Denn je mehr solcher Augenblicke wir uns nehmen um uns selbst glücklich zu machen, desto tiefer und entspannter unsere Weihnachtsfreude.

Im besten Fall schaffen wir es dann in diesem Jahr vielleicht ohne Schweißflecken, dafür aber mit gelassenem Lächeln und wachem Geist bis vor den erleuchteten Tannenbaum um dort einfach zu akzeptieren, dass Weihnachten nie perfekt sein wird, aber das unsere Weihnachtsfreude kein bisschen schmälern kann, wenn wir mit uns selbst glücklich sind.

Ich freue mich auf eine genussvolle Vorweihnachtszeit mit euch.
Habt einen wunderschönen letzten Novemberabend, ich wiederhole derweil nochmal das Weihnachtsmantra 😉

À très bientôt!

 

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2 Comments

  • Reply 12. Genussdezember | Winterlicher Orangen-Whisky-Drink - GenussSucht 12. Dezember 2015 at 15:46

    […] auf dem Sofa lässt sich ganz prima das Weihnachtsmantra sprechen und selbst nach einer stressigen Arbeitswoche und einigen ausgiebigen Weihnachtsfeiereien […]

  • Reply 3. Genussdezember | Ein Nikolausmenü in Etappen - GenussSucht 3. Dezember 2015 at 09:48

    […] die ersten beiden Dezembertage haben wir es schon einmal geschafft und ich fühle mich dank meines Weihnachtsmantras noch immer sehr ausgeruht und entspannt. Trotz der Berge Arbeit, die mich lange Tage am […]

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