ESSEN REZEPTE

Fröhliche Vorweihnachten!

16. Dezember 2012
Genuss_sucht_Fröhliche Vorweihnachten

Kaum zu glauben, dass ich soeben die 3. Adventskerze auf meinem Fenstersims entzündet habe. Wenn man schon den Countdown bis Heiligabend zählt, täglich mit Menschen über Weihnachtspläne, Geschenke und sogar schon über Jahresresümees und Neujahrsausblicke redet, ist Weihnachten eigentlich schon längst da. Wir stressen uns mit Gedanken an fehlende Weihnachtsgeschenke und langen Einkaufslisten, damit wir an den Feiertagen nicht verhungern und selbst für Onkel Alfred noch Weinbrandbohnen und Geleebananen eingekauft haben.

Mein Wild- und Geflügelhändler ächzt unter der Last der umsatzstärksten Tage des Jahres, den hereinschneiende Spontanbestellende, die gerne noch fix eine bitte exakt 4,873 kg wiegende Weihnachtsgans bestellen möchten, mit sich bringen.

Es ist mir ein Rätsel, warum so Viele ihren kulinarischen Höhepunkt des Jahres ausgerechnet inmitten diskutierender Familienrunden zu finden versuchen, während alle Gäste mit hohen Erwartungen an das Fest der Feste um den Weihnachtsbaum zusammenkommen, aber leider meist nervlich von all dem Vorbereitungschaos so aufgerieben sind, dass sie den Moment weder erleben noch genießen können.

Ein seltsamer Kampf um das vermeintlich schönste Fest, das jeder so gerne wunderschön nostalgisch, mit gutem Essen, entspannter Musik und lachenden Gesichtern an der Familientafel erleben würde. Doch irgendwie kommt immer was dazwischen. Eine Woche vor Weihnachten sieht man mehr Sorgenfalten auf Gesichtern als glühende vorfreudige Augen. Weil der Höhepunkt der Pflichterledigungen, von Einkauf über Christbaumschmücken bis zum Geschenke verpacken noch bevor steht, während das Haus geputzt, das Weihnachtsoutfit gebügelt und die 4,873 kg wiegende Gans auch noch zubereitet werden will.

In diesem Jahr entziehe ich mich dieser fremdbestimmten Panik sehr bewusst. Die Geschenke fallen klein aus, sind dafür aber selbstgebastelt und hergestellt, jeden Tag schreibe ich mit Hingabe eine Weihnachtskarte für einen besonderen Menschen, verschwinde stundenlang in der Küche um Leckereien herzustellen, höre nicht nur dabei, sondern generell von morgens bis abends heitere Weihnachtsmusik und genieße die Trägheit dieser Tage in vollen Zügen.

Weihnachten ist für mich so viel mehr als Fest und Geschenkeaustausch, und damit spiele ich sicherlich nicht auf religiöse Bedeutungen an. Zur Weihnachtszeit gehört das Innehalten, das Reflektieren und Sich-wieder-bewusst-werden, der Austausch mit Freunden, lange Telefonate, die man über viele Monate vor sich hergeschoben hat, weil die Zeit so knapp war, das Zusammensitzen an düsteren Nachmittagen und lange Weingespräche an gemütlichen Abenden. Oder auch die kleinen Aufmerksamkeiten, die man sich auf einmal wieder in kindlicher Manier schenkt, wie eine heiße Schokolade am Nachmittag, die unbedingt einen Sahnetupfen mit Kakaopulverstaub haben muss, weil Mütter das früher so gemacht haben, oder ein Plätzchen, das man kurz im Vorbeigehen aus der Keksdose nascht und sich dabei schuldbewusst verschmitzt nach Beobachtern umsieht, obwohl nicht einmal ein Ermahnungsbeauftragter in der Wohnung anwesend ist.

Ich amüsiere mich über verkitscht-schaudrige Schaufenster des Einzelhandels, belächle auf der Straße mich anrempelnde Getriebene, die auf der Jagd nach dem nächsten Geschenk nicht einmal ein „Entschuldigung“ hervor bringen können, beäuge interessiert streitende Paare in Geschäften, die sich harsch gegenseitig beleidigen, weil sie keinen Konsens in puncto Tannenbaumbeleuchtung finden können und verfolge in der U-Bahn gebannt fremde Telefongespräche, die sich ungeniert laut darum kreisen, wie Tante Berta, die alte Schachtel, überhaupt so anmaßend sein kann, sich zum Weihnachtsabend eine Abholung aus dem Altersheim zu wünschen anstatt sich einfach ein Taxi zu nehmen, wie das jeder normale Mensch ja angeblich machen würde.

Wenn man verfolgt, was kurz vor Weihnachten um uns alle herum (und in vielen Fällen auch mit uns) geschieht, sollte man eigentlich gar kein Weihnachten mehr feiern, sondern sich lieber alleine mit Rotweinflasche in die Besenkammer einschließen. Derweil die Welt da draußen so unkontrolliert durch vorweihnachtliche Schlechte-Laune-Schwankungen schwappt, entspanne ich mich einfach weiter und zelebriere den dieses Jahr so entspannten Weihnachtsanflug um an Weihnachten tiefenentspannt und mit einem zen-ähnlichen Grinsen im Gesicht bei einem bewusst unkomplizierten und schnell zuzubereitenden Weihnachtsmenü mit der Familie am Tisch zu sitzen.

[flickr id=“8276344677″ thumbnail=“large“ overlay=“true“ size=“large“ group=““ align=“none“]

 

Zur fröhlichen Vorweihnachtszeit gehört auch, sonntagmorgens aufzuwachen und sich statt der üblichen Frühstücksverdächtigen etwas Außergewöhnliches zu gönnen. Denn mit kalten Füßen in Wollsocken und im Pyjama schmeckt so ein Sonntagmorgenkaffee mit dicker Schaumhaube und zusätzlichem Kakaozusatz einfach am besten.

[flickr id=“8276345169″ thumbnail=“large“ overlay=“true“ size=“large“ group=““ align=“none“]

 

Wenn man dazu auch noch in ein Sonntagscroissant beißen kann, das man gerade frisch gebacken und aus dem Ofen geangelt hat und dessen innerer Kern beim Aufreißen heiße Dampfwölkchen mit süßlichem Duft um den Kopf wirbeln lässt, die einen sofort an eine Mischung aus Zuckerstangen und gebrannten Mandeln erinnert und dabei innere Bilder an wilde Tobereien vergangener Kindheitstage zwischen zerrissenen Geschenkpapier-Resten und wild baumelndem Christbaumschmuck hervorruft, dann ist Weihnachten eigentlich schon längst da – einfach so, auf dem Sofa, an einem Sonntagmorgen, mit einer gerade anbrennenden 3. Adventskerze.

In diesem Sinn wünsche ich euch einen wirklich stimmungsvollen Adventssonntag, mit viel Weihnachts-Vorfreude und noch viel, viel mehr Jetztfreude.

 

[flickr id=“8276345355″ thumbnail=“large“ overlay=“true“ size=“large“ group=““ align=“none“]

 

CROISSANTS AUX PRALINES ROSES

Für 4 Croissants:

4 TK-Blätterteig-Quadrate (alternativ ca. 1/2 Blätterteig von der Rolle aus dem Kühlregal)
10 Zuckermandeln (ich nahm die wunderbaren zuckerummantelten Mandeln „Pralines Roses de Lyon“, alternativ funktionieren aber auch gebrannte Mandeln)
1 Eigelb

Und so wird’s gemacht:

Ofen auf 180° vorheizen.

TK-Blätterteig-Quadrate 5 Minuten antauen lassen bzw. aus der Blätterteig-Rolle 4 Quadrate ausschneiden. Die Mandeln in einen Plastikbeutel geben, gut verschließen und mit dem Nudelholz zu kleineren Stücken zerbrechen. Gleichmäßig diagonal mittig auf dem Blätterteig verteilen und dann zu einem Hörnchen aufrollen und gebogen auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben. Eigelb mit ca. 1-2 TL Wasser vermischen und mit Hilfe eines Pinsels die Croissants damit bestreichen.. Im Ofen ca. 15-20 Minuten backen.

Achtung: Nach dem herausnehmen nicht sofort hereinbeißen, sondern lieber etwas auskühlen lassen, da der Zucker darin zuerst kochend heiß ist und euch schnell die Zunge verbrennen kann.

 

 

 

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

Ausrechnen, eintippen und dann absenden. * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

Genuss bringt Menschen zusammen.
Du willst mehr kulinarische Anekdoten und Rezepte? Dann trage dich für den Newsletter ein. Als Dankeschön erhältst du ein RECETTE DU WEEK-END mit allen Genussextras.