REZEPTE

Freitagabendentspannung.

9. März 2012
Genusssucht Fenchelrisotto mit Chorizo

Wenn mich die Ereignisse der Woche nicht unbedingt bis auf den Kern meiner Begeisterung ausgelutscht haben, bin ich an Freitagabenden immer gut gelaunt. Weil der Freitagabend etwas Verheißungsvolles hat. Da kommt ein Wochenende mit zwei Tagen des Ausschlafens, vielen Möglichkeiten, wunderbaren Vorhaben und im besten Fall mit viel Zeit für mich oder Freunde. Was genau passieren wird und ob ich am Samstag alle Verbindungen zur Außenwelt abschalte, um einen ganzen Tag für mich allen zu haben, die Füße hochzulegen oder stundenlang im Buchladen um die Ecke zu versacken, oder ob ich völlig energiegeladen alle möglichen Einkäufe und Erledigungen mache, um tolle Lebensmittel nach Hause zu tragen oder ob ich einfach Kaffee trinkend irgendwo in der Schanze ende – das weiß vorher weder ich noch jemand anderes.

Wenn ich nicht allzu spät von der Arbeit zurück kehre oder andere großartige Pläne habe, verbringe ich den Freitagabend gerne singend und mit einem Glas Wein in der Hand am Herd, um mich später mit abermals gefülltem Glas und einem Teller aufs Sofa zu verziehen und die Faulheit zu feiern.

Beim Anblick der noch 3 verbliebenen Flaschen mit minimalen Weißwein-Resten, die mir schon die ganze Woche ständig in der Küche im Weg standen und mich heute morgen beim Kaffeemachen erneut behinderten, als ich zu allem Übel auch noch im Zuspätaufgestandenstress war, fiel schon die erste Entscheidung für das Freitagabendmahl: Risotto. Der Wein muss weg und zwei bildhübsche Fenchelknollen warteten noch in meinem Kühlfach darauf, endlich verarbeitet zu werden. Traumduo.

Nachdem ich einige Arbeitsstunden später mit mir selbst auf den Feierabend angestoßen hatte, stach mir noch ein Viertel Chorizo entgegen. Ach, die will also auch noch mit rein. Gedacht, getan. Und während ich so anschwitzte (dank des weit verbreiteten Deodorant-Angebots nicht selbst, sondern die Zwiebeln), bereute ich einen kurzen Moment, dass ich die unter der Woche gekauften Cannellini Böhnchen stehen lassen musste. Obwohl Freitagabende keine guten Momente für Reue sind. Also kam, was kommen musste: die Bohnen kamen mit ins Risotto. Als Kontrast zu den zwei breiigen Texturen von Risotto und Bohnen und als aromatische Ergänzung des Gemüses wurden noch einige Fenchelsamen angeröstet und mit darunter gegegeben. Sie fügten den kleinen Knack beim essen hinzu, addierten noch einen Hauch warme Süße zum Bratfenchel und rundeten alles ab. Ich bin selbst noch ganz verwundert, wie perfekt alles harmonierte.

Weil ich sonst so nachlässig im Festhalten von Rezepten bin, erledige ich das deshalb einfach mal gleich zusammen mit dem Foto hier. Damit ihr auch was davon habt und nachvollziehen könnt, was die Genusssucht so am Freitagabend mit mir anstellen kann. Vielleicht lasst ihr euch davon am Wochenende inspirieren und kocht es sogar nach.

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FENCHELRISOTTO MIT CHORIZO UND FAGIOLI CANNELLINI


1 mittelgroße Fenchelknolle mit schönem fluffigen Fenchelgrün
2 kleine Schalotten
1 Chilischote
1/4 Chorizo
200 g Risottoreis (Arborio oder Carnaroli)
200 ml trockener Weißwein
700 ml kräftige Gemüsebrühe
150 g Fagioli Cannellini (Abtropfgewicht)
2 EL Fenchelsamen
50 g Parmesan
Olivenöl
Salz, Pfeffer

VORBEREITUNGEN:

Fenchel waschen, halbieren, vom zähen Strunk befreien und in kleine Würfel schneiden. Das Fenchelgrün fein hacken und getrennt zur Seite stellen. Schalotten schälen, in kleine Würfel schneiden. Chili kleinschneiden. Chorizo würfeln. Wein abmessen. Gemüsebrühe gut erhitzen. Bohnen abtropfen, mit Wasser abspülen. Parmesan reiben.

UND DANN GEHT’S ENDLICH LOS:

2 EL Olivenöl in einer großen Pfanne mit höherem Rand erhitzen und Fenchel darin kurz kräftig anbraten bis er hell angebräunt ist. Er muss unbedingt noch ein bisschen knackig bleiben. In eine Schale geben und beiseite stellen.

Die Pfanne wieder auf den Herd geben, erneut 2 EL Öl hineingießen und die Schalottenwürfel darin zusammen mit den Chilistücken bei sanfter Hitze ca. 2 Minuten glasig dünsten. Dann den Reis hinzugeben und ebenfalls bei kleiner Hitze ca. 3 bis 4 Minuten andünsten lassen, bis er glasig wird. Dabei immer wieder umrühren.

Sobald der Reis glasig ist mit der Hälfte des Weins ablöschen und die Flüssigkeit einkochen lassen. Den Rest Wein hinzugeben und wieder warten bis die Flüssigkeit aufgesogen ist. Jetzt fangt ihr mit dem Zugeben der Brühe an, immer in kleinen Mengen. Der Reis soll nie in Flüssigkeit schwimmen, sondern stets breiig bleiben. Erst kurz bevor er am Boden anhängt gießt ihr einen weiteren Schluck Flüssigkeit hinzu. Sobald nur noch wenige Schlucke Flüssigkeit übrig sind, gebt ihr die Chorizo und die angebratenen Fenchelwürfel sowie die Bohnen hinzu. Weiterrühren, nochmal mit Flüssigkeit versorgen und kurz probieren. Der Reis soll noch gut Biss haben, darf aber nicht mehr körnig sein.
Ggf. noch mit ein paar Schlucken Brühe (oder Wasser, falls die Brühe schon aufgebraucht ist) zu Ende garen.

Vergesst dabei nie das Rühren, denn je fleißiger und ruhiger ihr rührt, desto mehr Stärke löst sich durch die Reibung aus den Reiskörnern und umso cremiger wird das Risotto am Ende. Es macht wirklich einen großen Unterschied. Also rühren, rühren, rühren. Nebenbei wegspringen und im Nebenraum was anderes machen wird höchstwahrscheinlich ein böses Ende bringen, weshalb das Risotto-Kochen nur für entspannte Gemüter empfehlenswert ist.

Zum Schluss die Pfanne vom Herd nehmen, einen guten Schuss Olivenöl (ca. 5 bis 6 EL, geizt an dieser Stelle bloß nicht, sonst verwandelt ihr das Risotto noch in einen trockenen Reisklops) zusammen mit dem geriebenen Parmesan zum Risotto geben und vorsichtig unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dann darf das Risotto sich noch 5 Minuten in Ruhe entspannen und seine letzten Aromen für euch auspacken.

Währenddessen in einer kleinen Pfanne die Fenchelsamen bei geringer Hitze (ohne Öl) leicht anrösten. So werden sie knusprig und sehr aromatisch. Die Hälfte davon noch unter das Risotto heben. Auf Teller verteilen und den Rest der Samen nach Geschmack über das Risotto streuen. Mit dem feingehackten Fenchelgrün toppen, nach Wunsch noch ein paar Chilistücke obendrauf, Weinglas schnappen und dann an den Tisch oder aufs Sofa, um die Woche hinter euch zu lassen.

So einfach kann ein Freitagabend eine ganze Woche wieder gut machen. Oder sie gebührend zum Abschluss bringen.

BON APPÉTIT!

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4 Comments

  • Reply Noko 1. Juni 2015 at 18:10

    Hi, ein sehr sehr leckeres Essen. Total rund! Habe nur zeri kleine Änderungen vorgenommen. Nach dem Fenchel habe ich die Chorizo auch kurz angebraten – 30 Sekunden. Am Ende brauchte ich gar kein Olivenöl, alles perfekt.
    Vielen Dank
    Grüße!
    Noko

    • Genusssucht
      Reply Genusssucht 9. Juni 2015 at 15:50

      Danke für das Feedback, Noko. Es freut mich sehr, dass es geschmeckt hat. Ich persönlich nehme das Olivenöl oft als zusätzliches Gewürz, denn aromatisches Olivenöl bester Qualität fügt eine zusätzliche Geschmacksdimension hinzu. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es auch ohne das Olivenöl prima war. Auf das nächste Risotto! 🙂

  • Reply Heidi 19. Oktober 2012 at 20:41

    „Riechen, schmecken, fühlen, hören, sehen“ – all das erlebt man mit diesem wundervollen Rezept. Dieser Risotto macht einfach glücklich. Vielen Dank dafür und liebe Grüße aus Stuttgart!

    • Reply Genusssucht 19. Oktober 2012 at 20:55

      Vielen Dank für den wundervollen Kommentar. Und wie schön, dass das Freitagabendrisotto auch tatsächlich als Freitagabendmahl gekocht wurde – so feiert es sich doch fantastisch in das Wochenende hinein.

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