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Fliegende Genussgedanken

6. August 2012
Genuss_sucht_Fliegende Genussgedanken

Es sind ideenreiche Tage, die momentan mit mir durch die Weltgeschichte reisen. Sie inspirieren, verwirren, ermutigen mich und lassen dabei Vorstellungen in mir wachsen, die von den Erlebnissen der letzten Monate zehren und sie zu neuen Perspektiven transformieren. Manche Augenblicke erlauben es mir, in diesem verregneten Sommer eine Wohltat zu erkennen, weil ich so nicht von See- und faulen Badetagen zurückgehalten werde. Mein Geist trommelt so ununterbrochen neue Vorhaben und Erkenntnisse wach wie die Regenwolken diese Sommertage überschatten.

Ich gönne mir eine kreative Schöpfungspause, in welcher ich weniger in Töpfen rühre als sonst, aber trotzdem nicht weit vom Topf entfernt bin mit den Gedanken. Mein nächster Schritt nach dem Institut Paul Bocuse will wohlbedacht sein, ein neues Betätigungsfeld muss her. Mit diesem übergeordneten Ziel werden Tage zu Aneinanderreihungen von Verwirklichungsgedanken, Umsetzungsideen, Geschmacksmustern, Lebensinhalten. Ich feile an Geschäftsideen, trage Details zusammen, springe zwischen verschiedenen Konzepten hin und her, lasse mich von Geschmacksideen durcheinander bringen, sortiere mich täglich aufs Neue, um danach wieder stundenlang alles zu verwüsten. Es sprudelt aus mir heraus wie aus einer geschüttelten Champagner-Flasche, es schäumt, zischt und prickelt.

Es ist eine so wunderbar unkontrollierte Zeit, die Ausgang und Ende so unvorhersehbar macht. Was anderen so wild und unberechenbar erscheint, ist mir selbst äußerst vertraut. Es ist ein Findungsprozess, der da in mir brodelt. Wie schon immer in meinem Leben lasse ich die Dinge geschehen, lasse mich in ihrem Strudel davontragen. Mein Vertrauen, am Ende an einem Ort zu landen, an dem ich bleiben möchte, ist dabei so unerschütterlich wie entschlossen. Alles ist, wie es beim Kochen in meiner Küche immer ist: Der Grundstock ist eingekauft, alle möglichen Zutaten liegen bereit, Herz und Kopf sehnen sich nach einem außerordentlichen Geschmackserlebnis. Mein Mise-en-place ist längst beendet, der Punkt ist gekommen, an dem ich alle Zutaten in die Töpfe werfe, hier brate, da schmore, dort dünste. Ich schmecke ab, würze nach, überlege, sinnierend vor dem Gewürzregal stehend, was gerade noch fehlt, damit das Geschmacksbild in meinem Kopf abgerundet wird. Bin voller Vorfreude, was am Ende des Tages auf dem Teller liegen wird. Weiß, dass es gut werden wird.

Für den Moment genieße ich einfach das genüssliche Hin und Her meiner Gedanken, das nur ab und zu mal von einer kleinen Echtkochpause unterbrochen wird. Wenn die Zeit so leuchtend orange strahlt, die Kreativität so cremig durch die Tage fließt und der Duft ihrer künftigen Früchte so verführerisch süß die Momente füllt, dann braucht es manchmal nur noch ein bisschen harter Knet- und Wälzarbeit, bis die Geduldsfäden alles zu einem stimmigen Endergebnis zusammenführen. Genauso wie die Tagliatelle mit Lachs und Karotten-Vanille-Sauce, die in einer der Echtkochpausen entstanden.

Lasst euer Herz für eine Weile fliegen und schickt es zusammen mit allen Gedanken einmal um euren Planeten. Ich wünsche euch eine inspirierende und orange strahlende Woche!

 

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TAGLIATELLE UND LACHS MIT KAROTTEN-VANILLE-SAUCE

Zutaten für 2 Personen:

Für die Tagliatelle:
200 g Mehl

2 Eier
(oder alternativ 250 g Tagliatelle aus der Packung)

Für die Sauce:
1 schönes Bio-Lachsfilet (ca. 300 g)
4 mittelgroße Karotten

2 EL Butter
1/2 Vanilleschote
1 TL Zucker
1/2 TL Salz
2 TL Fenchelsamen
1/2 Zitrone
Pfeffer
Petersilie als Garnitur


Vorbereitung:

Karotten schälen und in Scheiben schneiden. Lachs entgräten, längs in ca. 1 cm breite Scheiben schneiden. Die Scheiben flach hinlegen, längs noch einmal halbieren und dann quer in nicht zu große Würfel schneiden. Lachswürfel kalt stellen. Fenchelsamen im Mörser zu feinem Pulver zerstoßen. Von 1/2 Zitrone die Schale fein abreiben. Dann den Saft auspressen und zur Seite stellen.

Nudelzubereitung:

200g Mehl auf der Arbeitsfläche zu einem Haufen arrangieren und eine Mulde hineindrücken. Die 2 Eier aufschlagen und in die Mulde geben. Mit den Fingern von der Mitte aus beginnen Mehl und Eier zu vermischen. Nach und nach mehr Mehl hinzu geben und zu einem Pastateig verkneten. Falls der Teig zu trocken ist, mit einem Spritzer Wasser nachhelfen (am besten immer nur kurz die Fingerspitzen in Wasser tauchen und damit 30 Sekunden weiterkneten, dann ggf. nochmal benetzen). Teig solange mit Kraft ordentlich kneten, bis eine feste, homogene Teigkugel entsteht. Die Teigkugel in Folie einwickeln und 1 Stunde bei Zimmertemperatur ruhen lassen.

Teigkugel in 4 Teile schneiden und mit einer Nudelmaschine zu dünnen Platten ausrollen, dabei immer wieder mit Mehl bestäuben, damit der Teig nicht festklebt. Die Teigplatten abschließend nochmal mit etwas Mehl bestäuben, leicht einrollen und mit einem großen Messer in ca. 1 cm breite Tagliatelle schneiden. Aus den fertigen Tagliatelle Nester formen und auf der gemehlten Arbeitsfläche antrocknen lassen, während die Sauce zubereitet wird.

So wird’s gemacht:

Karotten schälen und in Scheiben schneiden. In einen Topf geben und mit Wasser auffüllen bis das Wasser ca. 1 cm über den Karotten steht. Vanilleschote in der Mitte aufschlitzen und das Mark herauskratzen. Vanillemark sowie die ausgekratze Schote mit in den Topf geben. Butter, Zucker und Salz mit in den Topf geben und bei aufliegendem, aber gekipptem Deckel aufkochen.  Bei mittlerer Hitze garen lassen, bis die Flüssigkeit verdampft ist. Mit einer Messerspitze prüfen, ob die Karotten schon weich gekocht sind. Falls nicht, noch etwas Flüssigkeit hinzugeben und zu Ende garen bis das Wasser wieder verdampft ist. Dann das Fenchelpulver und den Zitronenabrieb und einen guten Spritzer ausgepressten Zitronensaft (ca. 1 – 2 EL, nicht mehr) hinzugeben, nochmals knapp mit Wasser becken (nicht zuviel Wasser), einmal kurz aufkochen und anschließend den Topfinhalt pürieren. Sauce durch ein Sieb in einen anderen Topf streichen.

Einen großen Topf Salzwasser zum kochen bringen und die frischen Tagliatelle darin 1 Minute kochen (oder gekaufte Tagliatelle nach Packungsanweisung al dente kochen). In der Zwischenzeit die Lachswürfel in die heiße Karotten-Sauce werfen und nur kurz gar ziehen lassen (nicht mehr aufkochen).

Nudeln in ein Sieb abgießen und endlich mit der Karotten-Vanille-Sauce und den Lachsstücken vermengen, mit etwas gehackter Petersilie bestreuen und dann endlich die Gabel zücken und:
Bon Appétit!

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1 Comment

  • Reply Karin-Andrea 14. August 2012 at 13:31

    Sehr leckeres und leichtes Sommergericht!
    Ich esse im Sommer generell öfter Fisch und Geflügel, Schwein und Rind find ich bei solchen Temperaturen ein bisschen zu schwer.
    Dein Blog gehört mittlerweile zu meine Lieblings-Food-Blogs 🙂

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