ESSEN

Entscheidung zur Nichtentscheidung.

28. März 2012

Es mag schwer zu glauben sein, aber auch für mich gibt es Tage, an denen ich nicht einmal die kleinste Kleinigkeit kochen möchte. Keine schnelle Suppe, kein Gemüse, auch kein Spiegelei oder Omelett. Nicht einmal warmmachen, Dose öffnen oder Mikrowelle anwerfen. Keine 2 Minuten in der Küche dürfen es dann sein. Weil ich mich sowieso für nichts entscheiden kann. Heute ist so einer.

Ich kam nach Hause, wie auch schon den ganzen Tag gefangen in der Unentschiedenheit ob der Tag gut oder bescheiden ist und war, irgendwie froh und unzufrieden zugleich. Komischer Tag. Ein Ohr schmerzte, die andere Stirnseite synchron dazu, Müdigkeit gähnte durch den Körper, das Herz war gleichgültig, wollte lieber anderswo sein. Wie sollte man in diesem Schwebezustand über Essen nachdenken können? Gar nicht, richtig. Deshalb schaffte es heute auch kein Frühstück und nur ein kleiner unbedachter und unscheinbarer Salat mit Obstnachtisch zur Mittagspause in meinen Bauch. Keine ausreichende Grundlage, um das Essen am Abend aus Gründen der Tagesunausgewogenheit einfach ausfallen zu lassen. Der Heimweg ließ mich folglich über Pizza, Lieferdienst oder eine Falafel grübeln. Doch die Gedanken an den halbvollen Kühlschrank, der bis zum Wochenende geleert werden will, brachten mich schlussendlich davon ab. Irgendwas würde sich schon finden – egal was. Nun gut. Ankommen, Jacke abwerfen, Schuhe ausziehen, direkt zum Kühlschrank. Tür auf, ein befremdlich emotionsloser Blick rein. Gucken, Pragmatismus walten lassen, die Entscheidung war gefallen.

Der rechte Arm zückte schon das große Tablett, die linke Hand begann derweil mit dem wahllosen Ausräumen aller Kühlschrankvorräte, die keiner Zubereitung bedurften. Angefangener Kräuterquark, eine Paprika, Tomaten, zwei Stück Käse aus der großen Käseliebhaberbox, blind gegriffen wie beim Kindergeburstag-Ratespiel, bei welchem man immer Hände in mit Gegenstände gefüllte Kartons stecken musste. Klappe auf, Käse raus, Klappe zu. Das Höchste der Gefühle waren die zwei tiefgefrorenen Scheiben Vollkornbrot, die ich mit letzter Kraft und letztem Willen in den Toaster schieben konnte. Und während ich regungslos an die Kante der Arbeitsfläche angelehnt auf das tröstliche Klack des Toasters wartete, starrte ich in die wilde Friese meines Schnittlauchtopfs, die innerhalb von zwei Wochen vom wohlfrisierten Mittelscheitel zur Headbangermatte gewachsen war. Zeit für einen neuen Style. Einen beherzten Schnitt später freute der Schnittlauch sich über einen Irokesenschnitt und ich mich über das lang ersehnte Klack.

Wenige Minuten danach landeten das Tablett und ich, einen kurzen Fotostopp hatten wir noch eingelegt, auf der Couch. Endlich.

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Irgendwann, mit scharfem Messer in der einen, Schnittlauchstücken an der anderen Hand und einem Schnittlauch-Butterbrotscheibe zwischen den Fingern, Paprikastreifen im Mund und mit Blick in den Fernseher, stellte sich dann auf einmal die Zufriedenheit ein. Tag vorbei, die Unentschlossenheit dazu. Weil ich mich nicht mehr zwischen Gut und Böse, zwischen ok und nicht ok. zwischen Ärger und Zuversicht oder Wochehalbüberstanden und Wochehalbvormir entscheiden musste. Denn alles was ich wollte lag vor mir. Ein Tablett voller überschaubarer Möglichkeiten. Wenig Überraschendes, aber immerhin viel Option. Wie beruhigend ein Sammelsurium von nichts Speziellem sein kann. Ein kaltes Mehrgängemenü ohne jeglichen Vorbereitungsaufwand, aufgethront auf meinen Schneidersitz-Knien.

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Danke Sammelsurium, danke Kühlschrank.
Und danke, Wochenhälfte – endlich bist Du vorbei.
Offiziell und überhaupt.

Freizeit, Freiheit, Urlaub:
Ich bin bald auf dem Weg!
Vorher muss nur noch der Kühlschrank leer werden.

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