ALLGEMEIN TRINKEN WEIN

Genuss sucht Entdeckungen: Elsässer Pinot Gris

29. September 2013
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Ich hoffe sehr, ihr habt euch gut erholt von dem letzten Riesling Weinpaket, denn heute geht es schon weiter mit der nächsten Rebsorte, die ich euch näherbringen möchte: diesmal dreht sich alles um Pinot Gris aus dem Elsass.

Er ist der unbekannte Zwillingsbruder des Pinot Grigio, oder hierzulande auch als Grauburgunder bekannt. Während man den italienischen Zwilling vielerorts als mageren, leichtfüßigen Trinkwein kennt, ist der Pinot Gris allerdings eher der vollbeleibte Part des Zwillingsgespanns.

Weil er hier unter klimatisch gänzlich anderen Bedingungen reift – nämlich unter mehr Sonne und Trockenheit – hat er nicht nur mehr Alkohol und damit Körper, sondern entwickelt auch vollkommen andere Aromen, die auf den unterschiedlichen Böden des Elsass auch noch weitere Eigenheiten ausbilden. Früher war er unter dem Namen Tokay d’Alsace bekannt, da dieser Name allerdings Verwirrung mit dem ungarischen Tokajer stiftete, benannte man in vor einigen Jahren um.

Als Besonderheit gibt es heute unter den vorgestellten Weinen einen mit der „Appellation Alsace Grand Cru“. Anlass genug, ein bisschen mehr darüber zu erzählen.

Zu den Grand Cru Lagen des Elsass gehören insgesamt 51 Weinberge. 1975 begann man dort die Lagen, die traditionell die besten Weine erbrachten, mit der Bezeichnung Grand Cru zu kennzeichnen. Die Grenzen dieser Gebiete sind gesetzlich festgelegt.

Zusätzlich zur eingegrenzten Lage der Rebstöcke muss ein Wein, der sich Grand Cru nennen will, aber noch weitere Kriterien erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel ein vorgeschriebener, wesentlich geringerer Ertrag und eine höhere Zuckerreife als bei den Weinen mit der Kennzeichnung „Appellation Alsace Contrôlée“. Ein Grand Cru muss also während des gesamten Entstehungsprozesses – vom Anbau im Weinhang bis zum fertigen Produkt – höhere qualitative Rahmenbedingungen erfüllen.

Grand Crus dürfen im Elsass nur reinsortig aus den so genannten Edelsorten bereitet werden, also aus Riesling, Muscat, Pinot Gris oder Gewürztraminer. Natürlich gibt es aber keine Regel ohne Ausnahme und so besitzen drei der 51 Lagen die Sondergenehmigung, nicht nur reinsortige Grad Cru Weine zu bereiten, sondern sogar Verschnitte. Diese Ausnahmelagen heißen Kaefferkopf und Altenberg de Bergheim, sowie als letzte im Bunde die Grand Cru Lage Zotzenberg, die nicht nur Verschnitte bereiten, sondern obendrauf auch noch Sylvaner anbauen darf, obwhl diese Rebsorte nicht zu den vier Edel-Rebsorten gehört.

Der Kaefferkopf Grand Cru von Roger Kuehn, den ich euch im Paket vorstelle, kommt also aus einer von drei Ausnahmelagen und verschneidet gleich drei der vier Edelsorten zu einer wunderbar harmonischen Cuvée (was nichts anderes als „Verschnitt“ bedeutet, also eine Mischung mehrerer Rebsorten). Die Lage Kaefferkopf  wurde erst 2007 als letzte der aktuell 51 Grand Cru Lagen im Elsass anerkannt. Seitdem ist keine weitere mehr gefolgt.

Elsässer Pinot Gris ist meist reichhaltig, körperreich und alkoholstark und besitzt intensive, dichte Aromen. Seine Intensität unterscheidet ihn von den sonst eher leichten und frisch-fruchtigen Brüdern aus Deutschland oder Italien.

Habt ihr schon einmal einen Pinot Gris aus dem Elsass getrunken? Ja? Dann bin ich gespannt auf eure Meinungen und Erfahrungen!

 

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Bilger Pinot Gris 2011

Jean-Pierre Bilger Vigneron, Bernardswiller im Elsass
Appellation Alsace Contrôlée

 

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Im Glas funkelt ein sehr klarer, blass zitronengelber Pinot Gris.

Riechen:

Sobald die Nase im Glas versinkt, rieche ich Zitrone, Birne, Quitte, reifen roten Apfel und gelbe Früchte wie Mirabelle. Der Duft wirkt fein-aromatisch und hält sich in der Nase noch etwas zurück.

Schmecken:

Im allerersten Augenblick wirkt er leicht am Gaumen, ja fast feingliedrig. Doch dann springen bei diesem trockenen Pinot Gris die Aromen hervor, die sich schon beim Schnuppern angkündigten: intensive Fruchtaromen von Birne und Quitte, eine weiche Textur, gelbe Früchte und eine erfrischend leichte Anklänge von Gras. Sein Körper ist für einen so jungen Wein sehr präsent und verleiht den sonst zarten Fruchtaromen zusammen mit einer mittleren Säure ordentlich Nachdruck. Mit 13 Vol. % ist er nicht unbedingt der leichteste Weiße, liefert seinem Geschmack mit dichten, intensiven Aromen aber ein robustes Fundament.

Genießen:

Sowohl als fruchtig-würziger Trinkwein oder auch zu herbstlichen Kürbissuppen mit einem (leichten) Hauch von Ingwer lässt sich der Pinot Gris von Bilger genießen.

Finden:

Erhältlich über Culinaria Frankreich, im Shop für 9,90 Euro

 

 

Mersiol Pinot Gris 2011

Stéphane Mersiol Vigneron, Dambach-la-Ville im Elsass
Appellation d’Origine Protegée, Bio-zertifiziert (Certifié Agriculture Biologique)

 

Genuss sucht Entdeckungen_Pinot Gris_Elsass_Verkostung_Mersiol_8818Sehen:

Et voilà – ein zitronengelber Weißwein mittlerer Farbintensität.

Riechen:

Der erste Eindruck ist mineralisch und tiefgründig. Dieser Weißwein lässt einen glauben, man würde die Nase gerade tief in einen Steinschlag hinein halten. Verantwortlich dafür ist der Granitboden, auf welchem die Reben wachsen und den sie mit ihren Wurzeln tief durchgraben müssen, um ausreichend Nährstoffe und Mineralien für ihr Wachstum zu finden. Das zweite Einatmen seines Dufts zeigt starke Birne und erinnert schon fast an Birnenbrand, weil sowohl leicht rauchige als auch süßliche Duftnoten von Hefegebäck mitschwingen.

Schmecken:

Zuerst zeigt sich der Mersiol Pinot Gris von seiner mineralisch-kühlen Seite. Doch kaum hat sich der Gaumen an die Kühle gewähnt, breiten sich der Geschmack von reifen Birnen und anderen gelben Früchten sowie Hefegebäck im Mund aus. Mit 12,5 Vol. % ist er gerade noch auf der dezenteren alkoholischen Seite einzuordnen, er hat aber trotzdem einen mittleren Körper. Seine Säure ist sehr gemäßigt und lässt somit mehr Spiel für seine tiefgründige und sich am Gaumen entwickelnden Geschmack. So verwandelt sich die süßliche Hefegebäck-Note nur sehr langsam zu einem leicht rauchigen Ende, was einen schön ausklingenden eleganten Abgang bereitet.

Genießen:

Mit seinen leicht rauchigen Aromen eignet er sich zu geräuchertem Fisch oder auch gebratenem Geflügel mit nicht allzu schwerer Sauce.

Finden:

Erhältlich über Culinaria Frankreich, im Shop für 11,50 Euro

 

 

Kuehn Grand Cru Kaefferkopf 2010

Roger Kuehn, Ammerschwihr im Elsass
Appellation Alsace Grand Cru Contrôlée
Ein Verschnitt aus Gewürztraminer, Pinot Gris und Riesling – sozusagen ein Best-of-Elsass

 

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Das leuchtendste zitronengelb der drei heutigen Weine, aber dennoch nur von mittlerer Farbintensität.

Riechen:

Mit dem ersten Atemzug nehme ich sofort satte, reife exotische Früchte wahr. Intensiver Duft von Ananas, Mango und Zuckermelone begeistert mich sofort, danach denke ich an getrocknete Papaya und kandierte Ananas.

Schmecken:

Das Trinken zeigt saftige, süße Ananas, tiefgelbe Mango, kandierte Ananas. Ein subtiler Hauch leicht unreif wirkender Litschi und Zuckermelone verleiht dem intensiven tropischen Cocktail etwas Frische. Nach einem längeren Abgang kommt noch eine feine Blumigkeit von Rose und Lilie zum Vorschein. Dieser Grand Cru ist trocken bis halbtrocken und besitzt nur wenig Säure. Den Großteil der Süße-Wahrnehmung holt er aus den überaus reifen Fruchtaromen. Als Cuvée aus Gewuztraminer, Pinot Gris und Muscat vereint er die typischen Aromen der einzelnen Rebsorten zu einem außergewöhnlich fruchtigen-intensivem Erlebnis. Seine weiche Textur macht ihn zudem zu einem Gaumenschmeichler – mit eins, zwei Gläsern kann man gut den Süß- oder Dessert-Jipier stillen (obwohl er kein Dessertwein – also keine Begleitung zu einem Dessert – ist, lasst euch da nicht täuschen).

Genießen:

Die Grand Cru passt perfekt zu orientalischen Gerichten, die Würze und Frucht zusammenbringen, weil er mit seinem überaus intensiven Aroma viel entgegenzuhalten hat. Aber auch intensiver Käse, wie z. B. ein Munster ließen sich hierzu kombinieren. Ich persönlich liebe einen solch fruchtigen Wein als Alternative zu einem Dessert. Mit soviel Fruchtexplosion am Gaumen vermisst man definitiv kein süßes Menü-Ende mehr.

Finden:

Erhältlich über Culinaria Frankreich, im Shop für 17,90 Euro

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1 Comment

  • Reply Genuss sucht Entdeckungen I Elsässer Pinot NoirGenusssucht 2. März 2014 at 01:44

    […] auch die lieblicheren Noten der Kirsche sowie einen Hauch Tomate. Wie auch schon bei Riesling und Pinot Gris der Domaine Mersiol festgestellt, zeigt sich auch der Pinot Noir von mineralischer Kühle, für […]

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