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Es ist soweit: Eine Idee fliegt los.

13. Januar 2013
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Der Lieblings-Sonntagskaffee steht mit frisch-fluffiger Schaumkrone vor mir, der Espresso schwappt noch milde mit der heißen Milch darunter um die Wette. Es knistert fröhlich, wenn man das Ohr über die Tasse hält. Kleine Schaumbläschen, die vor Freude zerplatzen. Ein bisschen wie ich gerade. Schnell noch Musik an. Sonntagmorgenplaylist. Bobby Womack trällert los. Ich hinterher. Und jetzt ab aufs Sofa. Für euch, mit euch. Denn ich hab‘ euch was zu sagen. Und wenn’s dann gesagt ist, bestimmt in vielen Worten, tausche ich das Milchschaum-Knistern gegen anderes festlicheres Knistern ein.

Lange habe ich in meinen Posts Anspielungen gemacht, immer wieder angedeutet, dass mich gerade viele Dinge umschweben, neue geschäftliche Ideen geboren werden. Und nun sind sie geboren. Sie sind jung und alles andere als makellos an allen Stellen, aber sie sind rund und wonnig und vor allem geliebt.

Nachdem das Jahresende mit erneuter Erkältung an mir vorbeizog und mich die Silvesternacht hüstelnd und schniefend auf meiner Couch verbringen ließ, sind die ersten Tage des neuen Jahres voll von Euphorie und Energie. Ich habe endlich meine neue Website zu Ende bringen können, habe in langen Nachtschichten über den Texten gesessen, eine Freundin über meine mittlerweile nicht mehr zu verleugnende Betriebsblindheit lesen lassen und allem einen letzten Feinschliff gegeben.

Auf dem Blogger Event im November und auch bei BLOGST Konferenz hatte ich bereits zögerlich erste Visitenkarten verteilt, damals noch mit dem Hinweis, dass alles noch im Entstehen ist, damit niemand denkt, es sei schon fertig und rundgelutscht. Es waren die ersten Besucher, die ich zur Baustelle schickte um den Rohbau zu begutachten, während ich noch Wände und Inneneinrichtung plante. Mittlerweile bin ich eingezogen in dieses Ideenhaus, habe Wände gestrichen, Bilder aufgehängt, lange über Details gegrübelt. Nun steht mein Name an der Tür und ich kann Besucher nicht nur informieren, sondern gar im neuen Haus empfangen. Aber lasst mich weiter vorn anfangen in der Geschichte.

Die Zeit nach meinem Aufenthalt am Institut Paul Bocuse fügte plötzlich viele meiner Ideen, die sowohl vor als auch nach Lyon entstanden waren, zu einem Gesamtbild zusammen. Inmitten bunt beschriebener, selbsthaftender Flipcharts, die an allen Wänden meines Wohnzimmers aufgehängt waren, versuchte ich anhand unzähliger Bruchstücke mehr über Wollen und Nichtwollen,  Können und Nichtkönnen zu erfahren, um daraus meinen nächsten Schritt abzuleiten. Ich suchte so sehr nach dem einen Ganzen, dem Job aller Jobs, der perfekten Symbiose aus all meinen Leidenschaften und Fähigkeiten. Und es machte mich mürbe wie ein Tarte-Boden, das Eine in all diesen Ideen nicht zu finden. Am Ende zerbröselten so viele Dinge unter meiner Gabel und waren nicht mehr als krümelhafte Einzelteile, die nicht zu einer Tarte zusammenfinden wollten, weil sie in keine Backform passten.

Eines Tages, wenige Wochen nach meiner Rückkehr aus Frankreich, saß ich mit dem Mann zusammen, von dessen Geschäft ich vor Jahren behauptete, eines Tages dort arbeiten zu wollen – ganz unbedingt. Wir sprachen lange über eine frei gewordene Stelle bei ihm. Die kulinarischste Stelle des kleinen Feinkost-Unternehmens. Eine, wie ich sie noch vor 2 Jahren sofort jauchzend angenommen hätte. Doch ich kam verwirrt zurück nach Hause, mit gemischten Gefühlen, die von innen gegen meine Schädeldecke trommelten. Beim nächsten Gespräch warf ich alle Bedenken en détail auf den Tisch, wir versuchten gemeinsam Lösungen dafür zu erarbeiten, doch auf einmal, mitten in unseren Gesprächen, merkte ich, dass ich trotz aller Begeisterung für diesen Laden, seine Affinität zu französischen Produkten, seine Sortimentsgestaltung und seine Philosophie, dort nicht all das finden würde, was ich suchte. Nach der offen und mutig geäußerten Selbsteinsicht gab er mir eine versöhnliche Einschätzung mit auf den Weg. Den Tipp, all meine Fähigkeiten in verschiedenen Standbeinen einer Selbstständigkeit zu vereinen, weil auch er, viele Jahre lang in der mir noch unbekannten Branche sesshaft, glaubte, dass der Job, den ich suchte, den ich mit all meinen sich ausleben wollenden Facetten brauchte, nicht in starren und oft einseitigen Unternehmensstrukturen zu finden sei.

Als ich nach dem letzten Gespräch vor der Tür stand, tief die Hamburger Innenstadtluft einsog und im gleichen Atemzug die Einsicht, dass lang gehegte Wünsche nicht immer noch gültig sein müssen, wenn sie sich nach langer Zeit erfüllen, fiel ein großer Brocken Schwermut von meinem Herzen. Er erleichterte mich um so Vieles, an dem ich festgehalten hatte. Alten Hoffnungen, vergilbten Wünschen, verrosteten Gedankengerüsten, in die Jahre gekommenen Erwartungshaltungen. Als ich die verrosteten Stangen anfasste, in denen ich mich bewegte, zerfielen sie zu Staub. Es klingt ein bisschen pathetisch, aber ich befreite mein Leben von alten Denkmustern und begann zu fliegen.

Eine Idee fliegt los

Eine Idee fliegt los

Ich wollte herausfinden, aus welchen Elementen meine zukünftige berufliche Betätigung wirklich bestehen müsse um mich langfristig glücklich zu machen, anstatt in vorhandenen Jobstrukturen zu denken.

In den nächsten Tagen verschwanden viele Flipcharts von meinen Wänden, dafür wanderten seitenweise mikroskopisch kleine Bleistiftnotizen in mein Notizbuch. Sie drehten sich plötzlich nicht mehr um Jobs und Wollen oder Nichtwollen, sondern um das Gefühl das ich aus Lyon mitgebracht hatte. Das Gefühl, das mich zuvor so grübeln ließ und in dem mich der tolle Mann vom lang gehegten Traumunternehmen bestätigte. Dem Gefühl, dass ich weiterhin selbstständig arbeiten müsse um die Freiheit in meinem Herzen und meinem Kopf weiterhin zu behalten oder gar ausbauen zu können.

Ich reiste zu guten Freunden und Familie, diskutierte mit ihnen mein bis dato namenloses Gefühl und verbrachte lange Zugfahrten quer durch Deutschland mit dem intensiven Wälzen von Ideen. Es stand plötzlich nicht mehr zur Diskussion, dass ich das Eine finden müsse. Denn ich hatte es längst im Herzen: den Sinn für das Neue. Ich hatte es schon lange gewittert, konnte es mittlerweile riechen und schmecken, hören und fühlen, nur das Gesicht fehlte ihm noch. Eines Tages, irgendwo im ICE zwischen Da und Dort, schrieb ich einen Namen in mein Notizbuch, der mich fortan nicht mehr losließ. Er war einer unter vielen Varianten, die mir zuflogen, aber der einzige, der sich sofort im Herz breit machte: L’Esprit Délicat.

Ich trug ihn lange schwanger, wie ich es heute gerne nenne. Er bestand sofort jede Assoziationsprüfung mit französischen Muttersprachlern, die mich kennen und mit allen, die meine Werte und Persönlichkeitsfacetten kennen. Nichtsdestotrotz wollte ich wissen, ob es der richtige Name war. Ich prüfte ihn lange und mit Bedacht, wägte andere Namen dagegen ab und wusste doch stets, das er siegen würde. Es war der erste Schrei des Neugeborenen und er wurde zum Taufnamen.

L’Esprit Délicat – sinngemäß ins Deutsche als „Feinsinn“ sowie auch als „Feingeist“ übersetzbar – trifft in beiden Bedeutungen genau den Kern meiner jahrelangen Suche. Es ist die Bedeutungslücke zwischen Worten und Emotionen, die Gratwanderung zwischen klar zu benennenden Berufen und die Gabe, auf den ersten Blick unabhängig scheinende Elemente in einer Vision, einem Bild, einer kleinen Welt zu vereinen.

Die inhaltliche Arbeit nach der Namensfindung ging mir leicht von der Hand. Als ich mich nicht mehr zwischen Optionen entscheiden musste um sie in vorhandene Strukturen pressen zu können, sondern völlig frei und ungebunden neue Strukturen schaffen konnte, war es nur noch an der Zeit, sie zu priorisieren und anzugehen.

Ein gutes Stück Arbeit war dann noch die kreative Umsetzung. Ich wollte alles selbst machen, suchte nächtelang Typos für das Logo, setze in kleinteiliger Millimeterarbeit hunderte Logovarianten zusammen, layoutete meine Visitenkarten, suchte Illustratoren für den Bildstil, der mir im Kopf schwebte, dachte über passende Bilder nach, schrieb Texte und brachte mir nebenbei noch bei, wie man eine Website komplett selbst hostet und technisch aufbaut (bei dieser Genusssucht Blogseite hatte ich zu Beginn noch ein bisschen Hilfe und sie ist ja auch nicht sehr umfangreich aufgebaut). Das, was in meinem alten Job als Kommunikationsberaterin in Marketing/Werbung noch ganze Teams aus Konzeptern, Grafikern, Textern, Reinzeichnern, Produktionern und Programmierern machte, lag auf einmal in meinen zehn Fingern. Ich machte alles selbst.

Die Projektmanagerin in mir setzte Timing und Deadlines, machte Druck und nervte mich, die Kreative in mir musste immer mal wieder neue Spielräume aushandeln. Es war eine interessante Phase. Gute Freunde mussten wochenlange auf jeden noch so kleinen Pieps von mir verzichten, ich vergrub mich tage- und nächtelang in meiner Wohnung und arbeitete den kreativen Schub ab. In raren Momenten schrie ich, nahe des Wahnsinns, Spezialisten für bestimmte Dinge auf einen Kaffee herbei, diskutierte mit dem einen Namen, mit dem anderen Logos, mit wieder anderen Inhalte, schickte sie dann wieder weg um fast manisch mit dem frischen Input weiterzuarbeiten. Keiner kannte das ganze Bild, denn erst einmal musste es aus meinem Kopf heraus in Worte, Bilder und auf Papier gebracht werden.

Das alles hat mir viel über mich selbst beigebracht, viel bewegt und gerührt und mir am Ende ganz viel Mut und Überzeugung gebracht. Weil es diesmal 100% ich ist, was drin steckt. Und jetzt nicht mehr nur noch danach riecht, schmeckt, sich danach anfühlt und anhört, sondern endlich auch danach aussieht:

 

L'Esprit Délicat Logo

 

Den Rest der Geschichte mache ich jetzt möglichst kurz, sonst komme ich nie zum Ende (ich könnte ein Buch über das letzte habe Jahr schreiben und werde das vielleicht auch eines Tages).

Mein kleines, neues Unternehmen steht für den Startmoment auf drei Beinen:

Als Mietköchin koche im Zuhause meiner Auftraggeber oder in einer von ihnen angemieteten Kochlocation. Völlig gleich, ob der Anlass ein Geburtstag, eine Party, ein Candle-Light-Dinner oder einfach nur geselliges Zusammensein mit Freunden ist. Meine Kunden können dabei Privatleute sein oder auch Firmen, die eine kleine, aber feine Veranstaltung planen. In jede deutsche Stadt komme ich gereist, wenn ich gebraucht werde. Und koche nicht nur von mir konzipierte Menüs, sondern entwickle natürlich auch auf Wunsch der Kunden Menüs nach ihrem Geschmack.

Als Foodstylistin stelle ich meine Koch- und Anrichtefähigkeiten sowohl für Fotoproduktionen zur Verfügung, als auch für Firmen, die für spezielle Anlässe wie Shop-Eröffnungen, Verkaufsveranstaltungen, Produkt-Inszenierungen etc. Unterstützung beim Kochen oder auch beim Konzipieren und Gestalten von Ideen benötigen.

Als Rezeptentwicklerin in mir möchte für Zeitschriften, Magazine, Bücher oder auch für Marken besondere Rezepte entwickeln, die entweder thematische Vorgaben erfüllen, bestimmte Produkte enthalten oder auf ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Marke maßgeschneidert sein sollen.

Darüber hinaus arbeite ich im nächsten Schritt an Seminaren, die Menschen mehr über die Herkunft, die Güte, den Wert, die Faszination und den Genuss von Lebensmitteln verraten sollen. Nicht auf lehrreich-didaktische Art, sondern auf eine Weise, wie ich sie im letzten Jahr vielfach erleben durfte: durch Anfassen, Mitmachen, Vergleichen mit allen Sinnen, durch passionierte Erzähler und mitteilungsbegierige Spezialisten, die sich in ihrem Mikro-Universum am besten auskennen. Doch das ist bislang, ebenso wie weitere heißgeliebte Ausbaustufen des Gesamtkonzepts L’Esprit Délicat, noch eine kleine Zukunftsmusik. Sie brauchen noch mehr Gedanken, mehr Feilen, ein kleines bisschen mehr Zeit und Liebhaben. Sobald es dazu mehr gibt, werdet ihr davon erfahren.

Das Wunderbare ist, dass alles nur ein Anfang ist und noch lange nicht das Ende. L’Esprit Délicat kann und wird mit mir wachsen, sich um neue Bestandteile ergänzen, die längere Planungs- und Konzeptarbeit erfordern (und deshalb schlicht und ergreifend noch nicht spruchreif sind) und erlaubt mir den Mut, funktionierende Ideen fortzuführen und nicht funktionierende auszuprobieren und ggf. wieder einzustellen.

Vorab aber könnt ihr schon so viel mehr über mich, meine neue bessere Hälfte und den Entstehungsprozess dahinter erfahren. Was hier auf www.genuss-sucht.de aus privater Passion schreibe (natürlich werde ich hier auch weiterhin allerlei private Genussmomente teilen) bekommt nun eine professionelles Geschwisterchen: www.espritdelicat.com

Dort könnt ihr über meine Ideen und meine Philosophie lesen und mir im L’Esprit Délicat Blog bei meinen neuen Abenteuern folgen. Wer beim Schwelgen in den angebotenen Menüs schon Hunger bekommt, kann mich bis 31. Januar 2012 sogar noch zum Superduper-Sonder-Eröffnungsgeschenk-Preis buchen. Vielleicht habt ihr ja einen guten Anlass, zu dem ihr euch und  eure Lieben bekochen lassen möchtet oder behaltet mich im Hinterköpfchen, falls jemand aus eurem Umfeld nach kulinarischer Unterstützung sucht.

Nun habe ich preisgegeben, was so lange in mir wuchs. Und würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr eure Gedanken, eure Gefühle und eure Meinungen als Kommentar hinterlasst. Denn ich bin bis zum Platzen gespannt auf alles, was nun geschehen wird.

Bei mir knallt gleich eine Flasche geliebten Champagners. Denn vor Aufregung erhitzte Köpfe und stolz glühende Herzen möchten ein bisschen vor Freude überschäumen und von hunderttausend Perlen auf der Zunge abgekühlt werden.

Ich wünsche euch einen glücklichen Sonntagabend und eine inspirierende Woche. Möge der Beginn dieses Jahres für euch alle große Entwicklungen und viel Mut bringen.

 

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7 Comments

  • Reply L'Esprit Délicat / Spannungsmoment. | L'Esprit Délicat I Cuisine. Culture. Créations. 8. Februar 2013 at 02:53

    […] Und wenn euch der Beitrag im privaten Blog interessiert, dann lest gerne hier nach: Eine Idee fliegt los. […]

  • Reply Anni 13. Januar 2013 at 22:53

    Liebe Stefanie,
    fürs neue Herzensabenteuer alles Glück dieser Welt, gutes Gelingen und viele viele wunderbare Gäste und Kunden!!!
    Champagne!***
    liebe Grüße, Anneli

    • Reply Genusssucht 13. Januar 2013 at 23:44

      Liebe Anneli,
      oh jajajaja, wunderbare Gäste und Kunden wünsche ich mir auch so sehr. Danke für die tollen Worte!
      Liebe Grüße,
      Steffi

  • Reply die S. vom Blech 13. Januar 2013 at 22:46

    wow*wow*wow! ganz großartig, was du da startest! aus der (ehemaligen) werbersphäre alles beste fuer dein baby 🙂

    • Reply Genusssucht 13. Januar 2013 at 23:42

      Liebe S. vom Blech,
      danke für den Zuspruch, davon kann man zu so einem Start gar nicht genug bekommen 🙂

  • Reply Nele (pralinenwahnsinn.de) 13. Januar 2013 at 21:51

    Hallo Stefanie,

    mit Freude habe ich gerade Deinen Bericht gelesen. Du hast wunderschöne Worte über die Entstehung von L’Esprit Dėlicat gefunden… Es macht irgendwie Mut zu lesen, wie Du Dich von Deinen alten beruflichen Strukturen befreit hast, um Dich Deiner Leidenschaft zuzuwenden. Danke dafür 🙂
    Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg und viel Freude an Deiner neuen Aufgabe.

    Liebe Grüße,

    Nele

    • Reply Genusssucht 13. Januar 2013 at 22:08

      Liebe Nele,
      vielen Dank für Deine Worte. Es ist schön zu lesen, dass Du Mut schöpfst aus dem, was ich gerade bewältigt habe. Mutentbrannte Menschen braucht diese Welt. Und deshalb wünsche ich auch Dir soviel Mut, alle Deine Pläne anzugehen und umzusetzen. Vielleicht machen wir dann irgendwann mal ein Pralinenseminar zusammen? 🙂

      Liebe Grüße
      Steffi

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