TRINKEN WEIN

Französischer Tag im Pays d’Oc

3. November 2013
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Es ist nun schon eine Weile her, doch ich habe es bislang einfach noch nicht geschafft, darüber zu berichten. Aber auch wenn in der Zwischenzeit schon wieder unglaublich viele neue Dinge geschehen sind, möchte ich trotzdem noch vom „Bloggerworkshop IGP Pays d’Oc“ erzählen, zu welchem ich eingeladen war.

Das Spannende an diesem Event war die Kreuzung der Themen Food-Fotografie und Wein – eine Kombination, die für mich so kurz nach meiner Wine & Spirit Education Trust Level 3 Prüfung sehr gelegen kam. Vorgestellt wurden bei diesem Event die Weine des französischen Weinanbaugebiets Pays d’Oc. Es umfasst eine ziemlich große Region und einige Départements in Südfrankreich. Grob umrissen: die Gebiete, die von dem südliche Teil der Rhône bis zum Mittelmeer reichen sowie die westlich davon gelegenen Gebiete.

Aus diesem riesigen Gebiet stammen Weine mit der Angabe IGP, das für „Indication Géographique Protegée“ steht, die einstmals als „Vin de Pays“ deklarierten Landweine. IGP steht seit demnach für eine geschützte geografische Herkunftsangabe. Jeder Wein, der sich so nennt, muss bestimmte Qualitätskriterien erfüllen.

An einem der ersten kühlen Hamburger Herbsttage fand ich mich in noch müder Samstagmorgenlaune in Kev’s Kitchen, einer Koch- und Mietlocation, ein. Ich hielt es fast für unmöglich, aber selbst nach 7 Jahren in Hamburg hatte ich dieses Eckhaus in unmittelbarer Nähe der Mönckebergstraße – die große Einkaufsmeile Hamburgs – noch nicht wahrgenommen. Davon gehört ja, gesehen nein. Umso mehr überraschte mich die offene, helle Atmosphäre.

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Alles stand für den Bloggerworkshop bereit. Nach einer herzlichen Begrüßung wurden alle an den Tisch gebeten. Susanne Schanz, Foodfotografin und Bloggerin bei La Petite Cuisine, brachte uns zum Auftakt die technischen Grundlagen der Foodfotografie näher. Mit so vielen Foodfreaks, unterschiedlichem Equipment und unterschiedlichen Erfahrungen entstand nach und nach ein angeregter Austausch über die technischen Aspekte der für Leser meist nicht wahrgenommenen Seite des Bloggerdaseins (nein, wir knipsen diese hübschen Bilder nicht eben mal einhändig hinter dem Rücken, sondern umzingeln unser Objekt der Begierde manchmal ziemlich lange für einen ansprechenden Schnappschuss – jetzt ist es raus).

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Dank des einprägsamen Mottoshirts von Sarahs Krisenherd konnte man jedenfalls das Thema des Tages nicht übersehen. Alle waren gewappnet und aufnahmebereit für Wein, Fotografie und natürlich: Essen.

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Während wir uns der Theorie widmeten, ging im Hintergrund das Kochen los. Das Team von Kev’s Kitchen sorgte somit für allerlei Kochdüfte und -geräusche, während alle Foodblogger mühselig versuchten, ihre Aufmerksamkeit beim Fotografie-Vortrag zu halten. Der ein oder andere Blick auf die Hände, Tricks und Zutaten der Köche war allerdings nicht zu vermeiden – Foodie bleibt eben Foodie (Susanne, an Deinem Vortrag lag es jedenfalls nicht!).

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Nach dem Theorie-Teil ging es dann voll in die Praxis. Alles, was der versierte Foodblogger benötigt, um Häppchen appetitlich in Szene zu setzen, war natürlich vorhanden: allerlei Stoffe mit verschiedenen Oberflächenstrukturen in unterschiedlichen Farben, diverse Schälchen, und eine Menge Tellerchen, Platten, Tabletts, Unterlagen sowie Servietten.

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Also schnappte sich jeder ein Wunsch-Häppchen, gewünschte Accessoires und knipste damit in einer ruhigen Ecke die Leckereien.

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Filigrane Häppchenkunst

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Geduldiges Anrichten

 

Natürlich durfte das obligatorische Glas Wein daneben nicht fehlen. Nicht nur, weil man so beim Fotografieren immer mal wieder nippen und die Samstagslaune Schluck für Schluck heben konnte, sondern auch, um zu üben, wie das reflektierende Glas am besten in Szene gesetzt wird.

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Nachdem ausreichend fotografiert wurde, ging es mit einem gemischten Doppel aus Theorie und Praxis weiter. Diesmal drehte es sich allerdings nicht mehr um die Foto-Objekte, sondern um deren Inhalt.

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Denn eine ganze Menge Weingläser wollten endlich gefüllt und die entkorkten Flaschen endlich verkostet werden – passend zu einer ganzen Reihe Fingerfood-Häppchen, die korrespondierend zu den jeweiligen Weinen ausgesucht worden waren.

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Insgesamt degustierten wir 12 Weine und vernaschten 12 Mini-Gänge dazu. Die Sommelière Verena Herzog führte uns durch den Abend, erläuterte in groben Zügen das Anbaugebiet IGP Pays d’Oc und verriet eine ganze Menge über die Rebsorten-Vielfalt der 57 dort zugelassenen Varietäten.

In Absprache mit den Köchen hatte sie die Weinbegleitungen harmonisch abgestimmt und behielt selbst in der mittlerweile sehr lauten und heiteren Frauenrunde den Überblick. Und dann ging es los, nach und nach kamen kleine Gänge und es wurden die entsprechenden Weine dazu ins Glas geschenkt…

Erster Gang:

(das Foto des Meisterwerk rhabe ich ja von mir angerichtet bereits oben präsentiert)
Scampi mit Bresaola – dazu gab es Viognier der Vignerons Cers-Portiragnes, sehr cremig-schmelzig, mit Aromen von Grapefruit und Blüten.

Zweiter Gang:

Lolli  von Kräutercrêpe und Parmesan – begleitet von Chardonnay  Terroir Littoral von Fortant de France, der dem Parmesan mit salziger Mineralität und viel gelber Frucht standhalten konnte.

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Dritter Gang:

Paprika-Süppchen mit Salbei-Strudel – mit Merlot Rosé, auch von Fortant de France, der zuerst seine intensive Erdbeerfrucht präsentierte, bevor er noch einen Schlag Kräuterwürze und einen Hauch weißen Pfeffer hinterherspielte.

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Vierter Gang:

Tramezzini von gebratenem Kalbstatar – zusammen mit Camas Syrah Rosé von Anne de Joyeuse, der ebenfalls mit Beerenfrucht und Kräuteraromen aufwartete, aber dabei eine subtile Eleganz behielt.

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Fünfter Gang:

(leider ohne Bild)
Interpretation von Gazpacho mit Garnele – ergänzt von Movida Grenache Rosé der Domaine Laporte, der nach roter Johannisbeere schmeckte und nach grasigen sowie würzigen Noten wie Lorbeer und Rosmarin, die ihm fast schon ein  wenig Schärfe verliehen.

Sechster Gang:

Gebratenee Wolfsbarsch mit Rotweinschalotten und Balsamico-Linsen – dazu als Kontrast Marselan Mon Pré Carré der Vignobles Gilles Louvet, der den kräftigen Brataromen mit tollen dunklen Früchten wie Pflaume, Brombeere und Cassis etwas entgegen zu setzen hatte, und diese mit warmen und kräftigen Gewürzen verband – Zimt, Vanille, Lorbeer.

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Siebter Gang:

Pfifferlingstatar im Strudelteig, getoppt von einem aromatisierten Öl aus Arabica Robusta Bohnen – mit Merlot Original von Anne de Joyeuse, der Pflaume, Kirsche und Cassis, aber auch Vanille, einen Hauch weißen Pfeffer sowie eine Holznote mitbrachte.

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Achter Gang:

(äm ja, leider auch ohne Foto)
Interpretation vom Hamburger – dazu Pure Cabernet Sauvignon der Domaine de Brau, der zusätzlich zu Cassis und Brombeer eine ausgeprägte Ledernote zeigte, die dem gegrillten Fleisch mit Rauchnote sehr gelegen kam.

Neunter Gang:

(nun… es war spät und der Wein wurde mehr – das Foto wurde Opfer des Gesprächs)
Ente à l’Orange mit Linsen – perfekt begleitet von Flying Solo Grenache Syrah der Domaine Gayda, mit kräftigem, aber dennoch elegantem Brombeer- und Cassisaroma und einer sehr präsenten Orangenzestenote, die sich selbstredend perfekt mit dem Gang verband.

Zehnter Gang:

Lammrückenspießen in Brombeerhonig, begleitet von Kastanien-Mousseline – abgestimmt dazu Mont Plaisir Syrah der Vignerons de Cers-Portiragnes, ein wunderbar von Cassis und Blaubeer geprägter, mit Noten von Karamell, Zimt, Pfeffer und Röstmandel unterlegter Wein.

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Elfter Gang:

Rindfleisch mit Kakao, Kohlrabi und Dörrfeigen – mit Malbec Terroir de Collines von Fortant de France, der im Mund Vanille und Veilchen zeigte, gepaart mit robusten Gewürzen wie Pfeffer, Lorbeer, Nelke und Wacholder.

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Zwölfter Gang:

Knusprige Strudelteigblätter mit Ziegenkäse und  Apfel-Feigensenf-Sorbet – zum Abschluss abgerundet mit Le Sauvignon der Vignobles Guilheim, der Stachelbeere, reife Mirabellen und florale Aromen bot, aber auch etwas grasig und pfeffrig anmutete.

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Natürlich ging es nicht unbedingt zu wie bei professionellen Verkostungen. Die Spucknäpfe standen einsam und allein am Tisch, kaum jemand nutzte sie. Stattdessen wurde fleißig alles mitgetrunken, was präsentiert wurde.

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Am Ende waren alle mächtig angeheitert, die Stimmung war freundschaftlich ausgelassen und der Geräuschpegel entsprechend – naja, sagen wir mal: nicht unbedingt in Zimmerlautstärke angesiedelt.

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Als ich etwas tüdelig und vor allem übersatt zu meiner Käsefondue-Verabredung lief, war ich jedenfalls dankbar für einen so wunderbaren Tag, so viele neue verkostete Weine und so viel informative Worte von unserer Sommelière. Dieser Tag war ein schöner Abschluss für meine lange und intensive Lernphase.

Danke an alle, die an der Konzeption, Organisation und Durchführung dieses Tags beteiligt waren! Er hat mir viel Freude bereitet und eine Menge Weinentspannung gebracht. Merci beaucoup, Pays d’Oc!

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