ESSEN FEINE KÜCHE

Le Dimanche Rustique

27. April 2014
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Nun gut, Ostern ist mittlerweile vorbei. Da wurden Lämmer vielfach auf den Tisch gebracht und mit allerlei Beiwerk verspeist. Das Tolle an Lamm ist jedoch, dass es nicht nur an Ostern, sondern eigentlich immer schmeckt. Für mich ist es das perfekte Sonntagsessen.

Genau deshalb habe ich heute auch eine besonders einfache, in Rekordzeit zubereitende Variante des Lamms für euch, die natürlich – sonst fände sie ihren Weg erst gar nicht auf den Blog – großartig schmeckt. Es mag für den heutigen Sonntag wohl eher keine Option mehr sein, aber für den nächsten solltet ihr unbedingt ein Lammkarree auf den Einkaufszettel schreiben.

Während ich samstags gerne aufwändig koche, steht am Sonntag für mich vor allem die Ruhe im Vordergrund. Ich mag den Tag so gern, weil kaum jemand anruft, keine geschäftlichen Mails eintrudeln und ich Zeit für Müßiggang und die Umsetzung allerlei Ideen habe. Oft wird gebloggt, fotografiert, gelesen oder einfach unverschämt lange die Nase in die Sonne gehalten, während ich den zweiten oder auch dritten Milchkaffee des Tages schlürfe. Genau für solche Dinge wurde der Sonntag erfunden. Und deshalb sollte man nicht ewig in der Küche stehen, auch wenn man das wie ich unglaublich gerne macht.

Damit auch ausreichend Zeit für all diese wunderbaren Dinge bleibt, bietet sich der Sonntag für lang schmorende und rustikal anmutende Braten an, die meist wenig Kochaufwand, sondern einfach nur viel Zeit benötigen. Sie wollen langsam in den Tag hinein köcheln, wie ich auch, und bereiten sich nahezu von alleine zu.

Aber nicht nur Geschmortes, sondern auch Kurzgebratenes ist perfekt. Es ist in Minuten fertig und passt sich so dem Hunger besonders gut an – vor allem, wenn sich die Gedanken hochkonzentriert mit dem Laissez-faire eines perfekten Tages beschäftigten, bis auf einmal erzürntes Magenknurren in die Gedankenwolke platzt. So geschehen an einem meiner letzten Sonntage.

Es konnte ja wirklich niemand davon ausgehen, dass abends um 21 Uhr auf einmal der Bauch losbrüllt, schließlich gab es doch Frühstück vor… naja gut, 11 Stunden. Vom Samstagsmarkt hatte ich ein Lammkarree mitgenommen, das ich nun ausgiebig im Kühlschrank beäugte. Ich hatte es glücklicherweise am Vortag schon in Öl und frisch importierten Kräutern der Provence mariniert. Aber was dazu, wenn der Hunger sich nicht mehr einbekommen kann und man im selbigen Moment am liebsten in das rohe Fleisch beißen würde?

Ich fand eine Schüssel mit vorgekochtem Blumenkohl, den ich bereits Samstag für einen kleinen Blumenkohlsalat blanchiert hatte. Eine halber Blumenkohl war noch übrig und dank des Blanchierens auch schnell einsatzbereit.

Während ich eine Pfanne auf die Kochstelle hievte, kräftig-würziges Olivenöl hineingoss und schnell noch eine angedrückte Knoblauchzehe zusammen mit einem Rosmarinzweig hineinwarf um das Öl zu aromatisieren, köchelte die Hälfte des blanchierten Blumenkohls schon längst mit etwas Sahne, Knoblauch und Lavendel in einem anderen Topf vor sich hin.

Das Lammkarree war im duftenden Öl in nicht einmal zwei Minuten rundum angebraten und wanderte just in den leicht vorgeheizten Backofen, um dort noch 10 Minuten nachzuziehen und sich einen rosa Kern zu bewahren. Während dieser Ruhephase presste ich noch eine halbe Orange aus, um daraus mit Fleur de Sel, Langpfeffer und einem kleinen Stück Butter eine kleine Sauce zu machen. Aus dem mittlerweile weichgekochten Blumenkohl wurde mit Hilfe eines Pürierstabs und etwas Milch schnell ein cremiges Püree.

Was sich nur zwei Minuten später auf dem Teller zusammenfand war meine Sonntagsessenfantasie in absoluter Perfektion: tiefwürziges Lammfleisch mit den kräftig-rustikalen Aromen der Provence, knusprig gebratene Rosmarinnadeln, cremig-lavendeliges Blumenkohlpüree und einige bissfest blanchierte Blumenkohlröschen mit Orangenbutter übergossen. Die weichgebratenen Knoblauchzehen, die einst das Olivenöl beglückten, wurden noch aus ihrer Hülle heraus verspeist, so röstig-süß und schmelzig war ihr Geschmack nun. Gutes kann so einfach sein.

Im Nachgang wünschte ich mir nur noch eins: Mehr von diesem knusprigen Rosmarin. Wie herrlich diese Kräuter sind, wenn sie in gutem Olivenöl ausgebraten werden. Das gilt nicht nur für Rosmarin. Sondern auch für Salbei, Basilikum, Thymian, Oregano. Es sollte Kräuterchips zu kaufen geben, tütenweise.

Falls das Wetter es zulässt, ist das Karree natürlich auch auf dem Grill bestens aufgehoben. Der blanchierte Blumenkohl und die Orangenbutter sind mindestens genauso schnell fertig, wie der Grillmeister zu Tisch rufen kann.

 

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LAMMKARREE MIT ZWEIERLEI VOM BLUMENKOHL

Rezept für zwei Hungrige:

1 Lammkarree, vom Metzger ordentlich vorbereitet
1 EL Kräuter der Provence
Olivenöl
1/2 Blumenkohl
100 ml Sahne
2 Knoblauchzehen
1 Rosmarinzweig
1/2 TL getrocknete Lavendelblüten
Saft einer halben Orange
1 TL Butter
Salz, Pfeffer

Und so wird’s gemacht:

Die Kräuter der Provence mit 2 Esslöffel Olivenöl vermengen und etwas einweichen lassen. Dann das Lammkaree rundum mit Salz und Pfeffer würzen und reichlich mit der Öl- Kräuter- Mischung einreiben. Für eine Stunde oder länger im Kühlschrank marinieren.

Den Backofen auf 130 Grad vorheizen.

Einen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen. Blumenkohl in Röschen zupfen und im kochenden Wasser 4 Minuten blanchieren. Herausnehmen. In einem Topf die Sahne mit einer geschälten Knoblauchzehe und dem Lavendel erhitzen und etwas einreduzieren bis sie dickflüssiger wird. Durch ein Sieb gießen um den Lavendel zu entfernen, dann den Knoblauch wieder hinzugeben und die Hälfte der blanchierten Blumenkohlröschen hinzufügen. Mit geschlossenem Deckel köcheln bis der Blumenkohl weich ist. Salzen, pfeffern und mit einem Pürierstab zu einer homogenen Masse verarbeiten, gegebenenfalls noch etwas Milch hinzufügen bis zur gewünschten Textur.

Eine (ofenfeste) Pfanne mit Olivenöl erhitzen. Eine ungeschälte Knoblauchzehe mit der Messerspitze andrücken und zusammen mit dem Rosmarinzweig ins heiße Öl geben. Das Öl kurz aromatisieren lassen, dann das Lammkarree darin von allen Seiten je ca. 30 Sekunden scharf anbraten. Die Pfanne in den vorgeheizten Ofen stellen und das Lamm dort 10 Minuten nachziehen lassen.

Orangensaft in einen kleinen Topf geben, salzen und Pfeffern, kurz aufkochen. Von der Hitze nehmen, die kalte Butter mit dem Schneebesen einrühren bis eine glatte Sauce entsteht. Nicht mehr kochen.

Lamm aus dem Ofen nehmen, in Scheiben schneiden. Auf jedem Teller etwas Püree anrichten, das Lamm und ein paar bissfeste Blumenkohlröschen arrangieren. Gebratenen Rosmarin und Knoblauch darauf legen und mit der Orangenbutter nappieren.

Bon Appétit!

 

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2 Comments

  • Reply Sandy @ Confiture de Vivre 29. April 2014 at 18:31

    Mon Dieu,

    perfekt! Nun, dem immer währenden Nachschub an Kräutern der Provence sollte ja nun nichts mehr im Weg stehen, nicht wahr?! Ich würde mich auch gern mal wieder von jemandem bekochen lassen, am liebsten von dir! Wahrscheinlich werden wir das, entweder verschoben, oder bei einer kleinen Stippvisite meinerseits, in der Provence machen, was sagst du?

    • Genusssucht
      Reply Genusssucht 30. April 2014 at 11:38

      Bonne idée! Ich bin mir sicher, dass bis dahin noch ganz andere Ideen, Zutaten und Entdeckungen tellerweise präsentationsbereit sind. Lass uns bald über Termine sprechen, wenn alles wieder etwas ruhiger zugeht…

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