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Das wäre doch gelachst!

26. Februar 2012
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Ein tolles Wochenende mit einem wunderschönen dritten Genusssucht Abend am Samstag neigt sich dem Ende zu. Und wenn man den Sonnenschein von heute ernst nehmen darf, dann eifert der Winter diesem Wochenende nach. Nach einer kurzen Nacht hatte ich Lust, ein bisschen zuhause vor mich hin zu tüdeln. Mir die Sonne durchs Fenster scheinen zu lassen und statt meinem Gesicht tolles Essen in sie hineinzuhalten. Und so habe ich die schönen Sonnenstunden mit ein bisschen Foodfotografie verbracht, zu der ich die ganze Woche nicht kam. Am liebsten würde ich das Wochenende einfach noch um zwei Tage verlängern. Dann könnte ich nicht nur noch mehr fotografieren, sondern vor allem wieder viele leckere Dinge für meine Reste ausdenken.

Aber noch einmal kurz zurück zu gestern Abend:
Es war ein wirklich toller Abend. Ich fühlte mich tagsüber gut organisiert und obwohl ich ab 9 Uhr morgens im Dienste des Genusses auf den Beinen war fühlte ich mich bestens. Die Vorbereitungen liefen wie geplant, ich hatte einiges schon an den Abenden zuvor vorbereitet und wurde erst 30 Minuten vor Erscheinen der Gäste etwas hektisch. Die letzten beiden Male ging die Hektik schon 2 bis 3 Stunden vorher los und erreichte 15 Minuten vor dem ersten Klingeln ihren absoluten Höhepunkt – ich scheine also langsam meine Routine zu finden. Nichtsdestotrotz habe ich mich an manchen Punkten noch leicht im Zeitaufwand verschätzt, insbesondere bei den Zubereitungsschritten à la minute, ich hoffe aber inständigst, dass die Gäste das zwischen den Gängen nicht bemerkt haben. Wir waren eine wieder große Runde mit 9 Leuten und somit gab es reichlich zu tun zwischen den Gängen, inklusive der Wiederinstandsetzung der kleinen Schüsselchen, die wir mehrfach benötigten und die schnell gespült werden mussten. Die Gästerunde beruhigte mich jedoch sehr, weil sie gut miteinander harmonierte und sich viel zu erzählen hatte. Und so nahmen der Abend und das Menü ihren Lauf und nach einem kleinen Aperitif konnten sich die Genusssüchtigen über folgendes Menü freuen:

– Gurken mit Wasabi-Mayonnaise und Lachsrogen als Amuse Gueule
– Cremige Erbsensuppe mit Thai-Curry und Minzschaum
– Gebeizter Orangenblütenlachs im Reisblatt mit Karottenpickles
– Enten Dim Sum mit Ingwer-Sambal
– Kokoswackelpudding mit Tandoori-Mango

Nach der Arbeit gestern habe ich mich heute mal dem Fotografieren einiger Reste gewidmet – so können auch alle Nicht-Gäste sich ein bisschen mehr vorstellen.

Amuse Gueule und Suppe waren leider so schnell weg, dass ich nichts für das Foto aufheben konnte. Aber wenigstens von den spektakuläreren Dingen sind kleine Mengen übrig geblieben. Mein persönliches Highlight des Menüs war der mit Orangenblüten gebeizte Lachs, der eine Nacht in Zucker, Salz, Orangenblüten und Koriander gehüllt war, bevor er dann gestern aufgeschnitten wurde. So fein und orangig im Geschmack, dass ich auch heute gar nicht genug davon bekommen konnte. Dazu aber später mehr.

Der Lachs wurde mit Rucola und eingelegten Karottenpickles in ein Reisblatt eingewickelt und in einen leckeren Orangen-Dip getunkt, bevor er in aller Munde verschwand. Von diesen Reispapier-Röllchen bekomme ich grundsätzlich nie genug. Ich liebe die leichten Saucen, die man beim Vietnamesen dazu bekommt, mag die Kombination mit Koriander oder Minze, aber diesmal sollte es etwas knackiger sein. Daher musste unbedingt Salat mit in die Röllchen. Crunchy und weich zugleich. Und schneller weg als ich Pieps sagen konnte.

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Danach folgten leckere Enten Dim Sum. Aus Entenhack und einigen mild-aromatischen Gewürzen wurden zusammen mit Ei und Frühlingszwiebeln leckere Hauptgang-Happen. Am Dim Sum Teig hatte ich am Abend zuvor all meinen Wochenfrust unter größtmöglicher Knetanstrengung weggeprügelt. Es war eine Premiere für mich Dim Sum Teig selbst zu machen, denn bislang hatte ich immer auf fertige Teigplatten aus dem Asia-Laden zurückgegriffen. Während er sich abends noch mit einer vehementen Zähigkeit und fast abartigem Widerwillen auszeichnete, hatte er sich über Nacht wieder beruhigt und schmiegte sich weich, viskos und ganz sanft um Finger und später an die Nudelmaschine, die dünne Platten aus ihm machte. Nie wieder werde ich Dim Sum Teig fertig kaufen. Die Mühe hat sich wirklich sehr gelohnt.

Das Formen so vieler einzelner Dim Sums nahm zwar etwas Zeit in Anspruch, ging aber problemlos. Sie waren aus Zeitnot zwar nicht die hübschesten ihrer Gattung, aber trotzdem geschmacklich ein Knaller. Dazu gab es ein Aprikosen-Ingwer-Sambal, fruchtig-scharf-lecker. Glücklicherweise sind noch ein paar übrig geblieben, die heute abend ihren letzten Weg in den Dampfkorb und anschließend in meinen Bauch antreten werden. Glücklich ist, wer Reste im Kühlschrank hat.

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Der Nachtisch war einfach, aber in genau dieser Einfachheit besonders famos. Der Kokoswackelpudding kam im Gläschen daher, schmückte sich mit ein bisschen eingekochter und intensiv mit Tandoori gewürzter Mango und brachte einen ganzen Tisch erst zum Schweigen und eine Minute später zum aaah-en und oooh-en. Und ich mittendrin. Schön war das. Nicht nur, weil mit dem Dessert mein Küchentag endete und ich endlich auch mal entspannt und tätigkeitslos mit den Gästen plaudern könnte, sondern vor allem, weil ich vorher schon befürchtet hatte, vom Kokospudding könnte nichts übrig bleiben bis die Gäste kommen. Süchtigmachendes Zeug. Gerade deshalb muss man ihn sehr geheim bevorraten. Ich habe noch zwei versteckt. Für heute abend. Für mich. Aber pssst – niemandem sagen!

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Beim Aufwachen galt mein erste Tagesgedanke (naja gut, der zweite… mein erster Gedanke ist immer „Kaffee!“ oder „Tee!“, danach erst funktioniert das Denken) trotzdem dem gebeizten Lachs. Dementsprechend habe ich mir den kleinen Rest des Filets schön in feine Scheiben tranchiert und mir zwei simple, aber fantastische Dinge ausgedacht, die ich mit ihm anstellen konnte für ein Foto und anschließendes Frühstückmittagessen.

Der Lachs war so weich und samtig, dass er auf der Zunge von alleine schmolz. Perfekt für den herben, grasigen Gegenbiss von Baby-Spinat. Zuerst entstand also ein kleines Lachs Carpaccio – für Sashimi ist der Fisch schließlich nicht mehr roh genug. Dazu ein Dressing aus gepresster Orange, ein bisschen feinem Orangenabrieb und Orangen-Olivenöl. Auch eine perfekte Vorspeise, wie ich finde.

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Kaum war das Carpaccio verdrückt musste ich mir noch was einfallen lassen für die letzten 5 Mini-Scheibchen Lachs. Ein Bagel war der Wunsch, aber kein Bagel im Haus. Widrige Umstände für solch eine Idee. Aber Improvisation kommt ja bekanntlich vor Kapitulation und somit wanderte schnell ein feines Pita, standesgemäß mit Wasser eingerieben, in den Toaster und kam eine knappe Minute später aufgebläht und frisch gebräunt wieder heraus. Seit jeher liebe ich den säuerlichen Teiggeruch von Pita und musste erst einmal tief das große Glück inhalieren, bevor ich wieder den Verstand zusammenraffen konnte. Aufschneiden und füllen war die Mission. Unter Einsatz von Sauerrahm, Frischkäse, einem Spritzer Zitrone und Zitronenpfeffer enstand die sensationelle Unterlage für viele Minzblätter und die verbliebenen Lachsscheiben. Deckel drauf und rein… nein, nicht beißen. Sondern reintragen. Ins Wohnzimmer, vor die Kamera. Erstmal fotografieren und noch ein bisschen des Pita-Dufts einsaugen.

Ein Anruf rettete mich aus dem Sog der Suche nach dem besten Winkel. Und weil mein Wille nicht immer der widerstandfähigste Leidensgenosse ist, drückte ich mit einer Hand auf den Telefonknopf und schnappte mir mit der anderen noch das Pita vom Teller, um mit beiden aufs Sofa zu verschwinden. Und während ich erzählte biss ich genüsslich in mein Pita – gute Freunde verstehen, dass man sich nicht immer zwischen zwei (in diesem Fall zwei fantastischen) Optionen entscheiden kann. Sondern manchmal einfach beides machen muss.

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Der Lachs ist nun also weg, aber Dim Sum und Kokoswackelpudding bleiben noch für das Abendessen. Aus dem kleinen bisschen Sonntag, das nun noch übrig ist, werde ich möglichst viel machen. Garniert mit einer Kanne Tee, einem guten Film und den erwähnten Leckereien wird auch daraus noch ein genusswürdiger Abend. Nur ein Foto wird es davon nicht mehr geben.

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