KAFFEE TRINKEN

Café au lait als Sonntagskaffee: Mitschweben auf der Milchwolke

10. Mai 2015
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Endlich. Sonntag. Lange ausschlafen, Arme und Beine nach dem Aufwachen in alle Himmelsrichtungen recken, den Oberkörper aufrichten, zum Aufstehen ansetzen und sich dann doch einfach nochmal fallen lassen. Es ist doch Sonntag! Kein Samstag bringt diese herrliche Erlaubnis zum Faulsein mit sich, wie es ein Sonntag kann.

Wenn ich es dann irgendwann gemächlich aus den Federn schaffe, denke ich nicht wie die meisten Menschen sofort an Frühstück, sondern zuerst an einen Sonntagskaffee. Einen, der kein Frühstück dazu braucht um zu glänzen. Eine milchig-cremige, manchmal auch fluffig-schaumige Wohlfühloase, mit der ich mich aufs Sofa oder an sonnige Fenster setzen kann, um nochmal eine Stunde gedanklich abzutauchen, mit einem Buch oder einem Magazin. Manchmal auch, um mich mit schönen Pinterest Bildern berieseln zu lassen.

Dieser Sonntagskaffee, ungestört und ungeschminkt, ist mir ziemlich heilig. Er ist mein absoluter Favorit unter den Kaffeemomenten meines Lebens – auch wenn es noch viele andere erwähnenswerte solcher Momente gibt. Wahrscheinlich übt er diese große Magie auf mich aus, weil er so rar ist. Sonntag ist nicht immer, und nicht jeden Sonntag habe ich so ausgiebig Zeit für diesen Kaffee. Wer ohne feste Arbeitszeiten lebt, weil ich viele Nächte und oft auch Wochenenden durcharbeite, muss manchmal auch den Sonntagskaffee opfern.

 

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Wenn die Zeit aber bleibt für diese genüssliche Langsamkeit, dann zelebriere ich sie mit allen Sinnen – und das fängt schon bei der Zubereitung an. Aufwendiger darf es sein für einen Sonntagskaffee, viel aufwendiger als sonst. Schließlich habe ich Zeit am Sonntag und die äußere Welt steht mit mir still – zumindest bis ich aus meinen Wochenendträumen aufgewacht bin. Nicht immer bemühe ich deshalb am Sonntag den Vollautomaten mit Mahlwerk, der in meiner Küche steht. Viel öfter entscheide ich mich für die langsam aufgebrühten Varianten.

Mein neuestes Spielzeug ist eine kleine Handmühle von Hario, die mich erst seit diesem Frühjahr begleitet aber nach kürzester Zeit schön längst einen unersetzlichen Status im Sonntagsalltag erreicht hat. Ich öffne eine Tüte verlockend duftender Espressobohnen, die sofort meine noch lahmgelegten Sinne wecken, wiege für meinen 2-Tassen-Kocher knapp 20 g Bohnen ab und gebe sie in die Kaffeemühle. Es hat einige Versuche gebraucht, bis ich die Mühle perfekt für meine Einsatzzwecke eingestellt hatte, denn der Mahlgrad ist variabel verstellbar, doch jetzt mahlt sie die Bohnen immer wieder genau so fein, wie ich sie benötige.

 

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Heute ist mein Mokkakocher im Einsatz. Ich möchte dem leisen Blubbern des Kaffees zuhören bevor ich ihn trinke und die Vorfreude darauf steigern. Es bedarf körperlichen Einsatzes um an das Espressopulver zu kommen. Denn zuerst muss ich knappe 70 Mal die Mühle drehen um mit leichtem Krafteinsatz Pulver daraus zu mahlen (wirklich schwer ist das nicht und dauert nur eine knappe Minute). Aber wie wir alles wissen, steigt die Wertschätzung für all das, was man sich mit eigener Arbeit erschafft. So ist es auch mit dem Kaffee.

Also mahle und mahle ich, breche die Espressobohnen auf und in immer kleine Stücke, bis sie in grobsandiger Textur, durchzogen mit einigen etwas größeren Partikeln, in den an die Mühle angeschraubten Glasbehälter fallen. Als sich alle Bohnen ergeben haben und ich die Mühle abstelle, kitzelt das erste Mal die Sonntagsstimmung im Herzen.

 

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Ich fülle meinen Mokkakocher mit heißem Wasser, weil er dann schneller kocht und nicht das Espressopulver verbrennt, bis zum unteren Rand des eingebauten Druckventils. Dann setze ich den Metallfilter auf und fülle das Espressopulver hinein. Ein Strich mit dem Finger über den Filterrand formt eine glatte Kaffee-Oberfläche ohne ihn anzudrücken und entfernt gegebenenfalls überschüssiges Pulver. Wie das duftet! Der Rest geht plötzlich schneller, die Vorfreude wächst: Deckel fest aufschrauben, bei niedriger bis mittlerer Temperatur auf den Herd setzen, abwarten.

Als die ersten sanften Zischgeräusche sich breit machen kann ich nicht mehr abwarten und muss kurz unter die Deckelklappe schauen. Ein erster Kaffeenebel steigt mir entgegen. Großes Kaffeekino! Während ich in einem zweiten Gefäß Milch erwärme, Vollmilch natürlich weil sie einfach am besten und reichhaltigsten schmeckt, blubbert der Espresso sanft aber beständig vor sich hin.

Allzu lautes Zischen und Gurgeln ist ein sicheres Indiz dafür, dass der Kocher zu heiß ist, der Kaffee anbrennt und somit später bitter wird – ein allgegenwärtiger Zubereitungsfehler, weil alle schnell an ihren Kaffee kommen wollen. Aber auch so – man lese und staune – ist der Kaffee in zwei Minuten fertig. Das Einfüllen von heißem Wasser ist des Rätsels Lösung.

Sobald ungefähr 2/3 der Flüssigkeit aufgestiegen sind, nehme ich die Kanne vom Herd um ein zu starkes Erhitzen zu vermeiden. Der Rest brüht sich nun noch von selbst. Endlich ist die Zeit gekommen, die warme Milch in eine große Tasse zu füllen (wenn sie nicht vorher noch geschäumt wird, ganz nach Lust und Laune) und Kaffee darauf zu gießen. Eine große Tasse mag ich am liebsten, hier in Frankreich trinkt man am liebsten als Bols, großen Kaffeeschalen. Ein echter Café au lait, mit viel ungeschäumter Milch, gehört in eine solche große Bol, weil man ihn daraus so großartig schlürfen kann und er beim Halten auch noch die Hände ganz wunderbar wärmt.

 

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Wer jetzt aufschreit und behauptet, in den Café au lait käme nur klassischer Brühkaffee, der hat sicherlich Recht. Aber es verhält sich am Ende ja wie mit allen Genussdingen: nur der Geschmack zählt und jeder schmiert sein eigenes Brot oder brüht seinen eigenen Kaffee.

Ich halte mich zwar auch an das klassische Verhältnis mit 50 % Milch und 50% Kaffee, aber mein Café au lait darf kräftiger sein als der traditionelle. Ich liebe es, darin Nuss- und Schokoladennoten wiederzufinden, keine Süße, aber wärmende Aromen und einen vollen Körper. Trotzdem muss er seine cremige Milchigkeit bewahren, darf nicht von einem zu rassigen Kaffee aus der Balance gebracht werden. Café au lait soll sein wie eine große Milchwolke, auf der man einen Moment mitschweben darf: cremig, sanft, wohltuend.

 

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Seit ich ein Probierpaket von PrimeBeans aus München erhalten habe, ist meine Liebe zum Café au lait wieder lichterloh aufgeflammt. So sehr, dass ich auf die Idee kam, gleich eine Artikelserie zum Thema Kaffee zu machen und euch darin meine liebsten Kaffeemomente mit den entsprechenden Kaffeestilen vorzustellen.

Der Nicaragua Momotombo von PrimeBeans ist eine wahre Bombe meiner präferierten Geschmacksnuancen: mit sanften Noten von Schokolade, gerösteten Haselnüssen und feinen Mandeln, dazu ein Hauch wärmende Vanille. Er hat einen vollen Körper, eine zurückhaltende Säure, aber dafür runde und geschmeidige Aromen. Er schmiegt sich an, so wie sich der Geist erst an den freien Sonntagmorgen anschmiegen möchte. Kaufen könnt ihr den Momotombo übrigens hier, falls auch ihr ein Ründchen auf meiner Lieblings-Milchkaffeewolke mitdrehen wollt.

Es gibt übrigens nur eine Begleitung, die ich in seltenen Fällen zum Sonntagskaffee zulasse: ein verdammt gutes, blättrig-buttrig-zerbröselndes Croissant, ganz à la française mitten in den Kaffee hineingetunkt. Weil ein solch perfektes Croissant das aber ohne Aufwand in der Regel am Sonntagmorgen nicht herbeizuzaubern ist, konzentriere ich mich meist auf den Kaffee.

Ich muss gestehen: wenn der Sonntagskaffee ausgetrunken ist, ist längst kein Morgen mehr. Oft lockt mich dann der erste Hunger hinter dem Magazin hervor, oder die mittlerweile kalten, nackten Füße. Auch ein Sonntag muss irgendwann richtig beginnen. Bevor es soweit ist, schwelge ich aber am liebsten genüsslich in der Milchkaffeewolke.

Habt einen sonnigen Sonntag und genießt euren Kaffee ausgiebig und mit allen Sinnen!

 

Hinweis: Der Kaffee wurde mir als Probierpaket von PrimeBeans zur Verfügung gestellt. Meine Geschmackseindrücke sind jedoch neutral und undiktiert und entsprechen einzig und allein meinem persönlichen Geschmack.

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3 Comments

  • Reply 2. Genussdezember | Gewürzkaffee zur Weihnachtszeit - GenussSucht 2. Dezember 2015 at 09:45

    […] diesen herrlich faulgenüsslichen Kaffeeemoment auch gerne mal auf 2 Stunden aus, wie ihr in meiner Liebeserklärung an den Sonntagskaffee nachlesen […]

  • Reply Bea 12. Mai 2015 at 09:25

    Hallo Stefanie,
    auf der Suche nach einem Genussblog bin ich über Deine Seiten gestolpert und auch gleich hängen geblieben 😉 Du wirkst durch Deine Texte sehr sympathisch und authentisch. Ich finde Deine Texte sehr berührend Deine Fotos sehr ansprechend. Es macht Spaß Deinen Blog zu lesen. Mach weiter so! 🙂 Liebe Grüße Bea

    • Genusssucht
      Reply Genusssucht 12. Mai 2015 at 10:03

      Vielen Dank, liebe Bea,
      für diese schönen Komplimente. Da fangen ja glatt die Wangen an zu glühen 🙂 Und ich weiß sofort wieder, warum ich so gern schreibe: weil man damit andere Menschen erreichen kann.
      Liebe Grüße, Stefanie

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