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Bref, c’est bon! {Weinbar Freddy’s in Paris}

21. September 2015
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Manchmal führen unglückliche Umstände völlig unerwartet zu besonders glücklichen. So geschehen vor nicht allzu langer Zeit als meine gesamte Wochenendplanung am Samstagmorgen um 5 Uhr spontan ins Wasser fiel und ich nicht recht wusste, was ich nun mit meinem Wochenende, auf das ich mich so gefreut hatte, anstellen sollte. Statt Trübsal zu blasen entschloss ich kurzerhand nach Paris zu fahren. Schließlich ist das mittlerweile nur noch 1:15 h mit dem Zug entfernt.

Nach einem Tag des Schlenderns, Schauens, Entdeckens und Verweilens an so mancher Stelle kehrte ich am frühen Abend in einer Bar ein, die mir aus vertrauter Quelle empfohlen wurde. Noch war alles leer, aber die Bedienung rief mich bereits mit strahlendem Lächeln herein. Keine 5 Minuten später stand das erste Glas Wein auf dem Bartresen, an dessen Mitte ich mich einfach platziert hatte, im Zentrum des Geschehens sozusagen.

GenussSucht_Bref-cest-bon-Paris-Tipp-Freddys_4283.jpgDas „Freddy’s“ ist eine kleine Weinbar in Saint-Germain-des-Prés, dem herrlich bunten Künstlerviertel. Dort wandert man durch belebte Straßen, an denen Cafés, Restaurants, Boutiquen und Shops dicht auf dicht gedrängt sind aber es trotzdem ganz nonchalant schaffen, dabei stilvoll und wohlplatziert zu wirken. Freddy’s ist ein nicht allzu großes Etablissement, hätte ich nicht nach der Hausnummer Ausschau gehalten, wäre ich wohl unbehellt daran vorbei spaziert.

Es gibt keine klassischen Tische, sondern ausschließlich Tresen mit Barhockern, denn man versteht sich hier mehr als Bar als nach Restaurant, auch wenn Essen auf der Karte steht, das über Oliven & Brot hinaus geht. Als Vorbild fungieren die Tapas-Bars dieser Welt und so ist die Karte eine recht schnell erfassbare Angelegenheit: zwei Seiten Weine, eine Seite Speisen.

GenussSucht_Bref-cest-bon-Paris-Tipp-Freddys_4266.jpg„Drink French!“ fordern die bunten Kreideletter auf den Wandtafeln und erklären damit schnell das Konzept. Ausschließlich französische Flüssigkeiten kommen hier ins Glas. Allem voran natürlich Weine und Schaumweine, aber auch Ausnahmen wie handwerklich hergestellter Cidre, Bier oder Traubenmost stehen auf der Karte.

Die Speisenliste liest sich rustikal französisch und hat ein paar wenige spanische wie auch italienische Details. Fantastisches Landbrot wird für jeden Gast frisch aufgeschnitten – es ist so gut, dass ich es am liebsten kaufen möchte. Darüber hinaus gibt es kalte französische Tapas, wie zum Beispiel Rillettes im Einmachglas mit hauskonservierten Cornichons und Perlzwiebeln, Beaufort mit Tomaten-Confit, frisch an der beeindruckend schönen Maschine aufgeschnittenen Schinken oder Melonen-Ceviche.

GenussSucht_Bref-cest-bon-Paris-Tipp-Freddys_4284.jpgNach 18 Uhr stößt glücklicherweise der Koch hinzu und wirft den Grill an, bevor ich das dritte Glas aus der Weinkarte bestellen kann, die gleichermaßen unkonventionell mit ungewöhnlich aufgestellt ist. Es gibt endlich auch warme Speisen.

Als Appetizer bestelle ich Arancini aux Escargots, knusprig frittierte Reisbällchen, deren saftige Mitte eine dicke Schnecke in Kräuter enthält. Dazu trinke ich einen schäumenden Vin de Table  „Rosé à lies“ von Domaine Jousset, ziemlich verrücktes Zeug das mich mit seinen wilden Aromen an Uhudler erinnert und glücklicherweise von Käse und Schneckengeschmack auf ein erträgliches Maß eingefangen wird, bevor er mir zuviel wird.

 

Lange Zeit nach den zwei Reisbällchen – ich habe mich mit Bedienung über das Sortiment festgequatscht und bin kurz vorm Verhungern und Verdursten – Nachschub: Entenherzen-Spieß vom Grill, in einer fein-säuerlichen Sherryessig-Senfsaat-Marinade. Oh ja, das ist fantastisch! Dazu einen roten Saumur „Hanami“ 2014 von Domaine Bobinet 2014 für 6 Euro das Glas, 100% Cabernet Franc, der allein ein wenig zu ruppig für meinen Geschmack ist, aber zu den Entenherzen großartig.

Das macht Spaß. Häppchen bestellen, nach und nach, immer wieder die Karte in der Hand, immer wieder hinter den Tresen in die Schränke schauen und entdecken, was nicht auf der Karte steht.

 

Es folgt noch eine Runde Kammmuscheln mit Persillade, dazu zuerst ein Savennières „La Roche aux Moines“ 2012 von Château Pierre Brise für 9,70 Euro, ein Chenin Blanc wie ich ihn liebe, hinterher noch ein Vire-Clessé 2013 von Les Héritiers du Comte Lafon für 11,60 Euro.

Erst an dieser Stelle konnte ich aufhören mit dem Probieren, das Barpersonal hatte meine Entdeckerfreude mit vielen kleinen Schlucken abseits der bestellten Gläser genährt und mir abschließend noch einen Jurançon „Bi de Casau“ 2011 von Domaine Guirardel serviert.

GenussSucht_Freddys-Weinbar-Paris_kammmuscheln

Nun war ich mehr als bereit für eine abschließende Kugel Eis im Samstagabendwusel eines spätsommerlich warmen Saint-Germain-des-Prés und eine entspannte Zugfahrt zurück in meine geliebte Champagne.

Eines ist sicher: hier war ich nicht das letzte Mal. An so einen entspannten, unverkrampften Ort möchte ich unbedingt wieder zurückkehren. Kein Chi-Chi, keine übertriebene Ambition etwas sein zu müssen.

Atmosphäre wie auch Bedienungen sind so lässig wie die Gäste, die vorbeischauen. Pariser aus dem Viertel, ältere Herrschaften, die beim unkomplizierten Abendessen um die Ecke freudig experimentieren, viele Feierabendwein-Trinker, ein paar Reisende. Dazwischen ich – sowie gleich drei Dates, welche man an der Hast ihrer ersten Schlucke und ihren zu Beginn nervösen Blicke ansehen kann, wie aufgeregt sie sind. Ich sitze in der Mitte der Szenerie, am Tresen, habe längst vergessen wie vermurkst mein Wochenende an diesem Morgen startete. Fast bin ich froh, dass meine Wochenedpläne sich zerschlagen haben. Sonst wäre ich nicht hier gelandet.

 

Bei Freddy’s kann man übrigens nicht reservieren. Wer zuerst kommt trinkt zuerst.

 

Wo?

Freddy’s
54 Rue de Seine
Paris

 

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2 Comments

  • Reply Marja 21. September 2015 at 23:23

    Wundervoll!
    Wie herrlich das klingt, ich bekomme so große Lust endlich mal richtig nah Paris zu fahren.
    Aber als nächstes Ziel steht im Oktober Rom auf dem Plan-in Sachen Goethe! Sehr viel Kultur, ich in gespannt. Hast du dort auch schon kulinarische Entdeckungen gemacht?
    Bisous
    M

    • Genusssucht
      Reply Genusssucht 22. September 2015 at 09:29

      Liebe Marja,
      Paris ist auf jeden Fall immer eine Reise wert. Vielleicht auf der Zwischereise in die Champagne (ein neues Atelier Culinaire wartet im Frühjahr 2016, mehr dazu in Kürze)? Zu Rom kann ich leider keine Tipps geben, dort war ich selbst noch nie. Aber ich wünsche dir eine tolle Zeit dort und vor allem spannende und genussreiche Tage.
      Liebe Grüße
      Stefanie

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