ESSEN REZEPTE

Alles anders

13. April 2013
Genusssucht Kokos-Schokoladen-Tarte

Es ist eine gefühlte Ewigkeit her, seit ich von Happy Times berichtete, denn sie wurden einfach schlagartig unterbrochen. Das Leben spielte in den letzten Wochen mehr als rosarote Lieder und nahm mich mit auf einer Welle durch die Farbenfluten, überschlug sich im Grau von dunklen Sorgen und malte zu anderen Zeitpunkten wieder das fröhlichste Gelb an meinen Himmel. Aber genau dazu ist die Farbpalette dieses Lebens ja auch da: um alle Farben davon zu nutzen, neue Schattierungen zu entdecken, sie neu zu mischen und damit etwas Neues entstehen zu lassen.

Genau so habe ich sie im Strudel der Tage auch einfach genutzt: gemischt, gemalt, gestaunt über das Nuancenreichtum einer Farbe, darin bei genauerem Hinsehen neue Schatten und unerwartete Lichter gefunden. Ich war tief versunken in diesen Zeiten und machte sie einfach zu A Different Kind of Happy Times. Zeiten, in denen einfach andere Dinge zählten.

Fernab von Genusssucht und kreativem Rezeptreichtum habe ich dabei wieder mal erlebt, wie wichtig das Essen für uns Menschen ist. Wieviel Antrieb die Abwesenheit guten Essens nehmen und wieviel Kraft seine Anwesenheit spenden kann. Wie sehr ein Sorgenklops im Bauch die Essensaufnahme tagelang nahezu unmöglich machen und ein einziger Tag mit einer Portion Frankfurter Grüner Sauce und selbstgemachten Eierlikör die Welt verbessern kann. (Ok, spätestens jetzt ist wohl raus, dass ich ein waschechtes Frankfurter Mädchen bin). Oder wie heilsam ein dampfender Teller Spaghetti ist, wenn der Tag alle Energien aus Körper und Verstand gesogen hat.

Wir Menschen sind faszinierende Wesen. Wir essen tagein, tagaus, planen Mahlzeiten und Einkäufe, nehmen Nahrung auf, stillen Hunger, erfrischen unseren Durst nach Leben, befriedigen Gelüste. Doch dabei suchen wir nicht nur die nächste Vitamin- und Energiedosis, sondern füllen Sehnsüchte aus, suchen Geborgenheit, schaffen Routinen, lechzen nach altbekannten oder eben gänzlich unbekannten Erlebnissen.

Wir nähren unseren Körper mit allem, was wir zum Leben brauchen: Inspiration, Erinnerung, Liebe, Trost, Motivation, Hoffnung. Und manchmal steckt all das zusammen in einem einzigen Moment. Dann – ganz plötzlich, wenn wir mal nicht mehr Tage und Pflichten geflissentlich zählen und abarbeiten, sondern uns von Größerem tragen lassen – springt uns auf einmal ein Grund zum Feiern in den Weg. Mal ein subtiler, mal gleich mehrere.

 

[flickr id=“8643337873″ thumbnail=“large“ overlay=“true“ size=“large“ group=““ align=“none“]

 

Dieses Wochenende nehme ich viele kleine Feierlichkeiten zum Anlass für eine Schokoladentarte. Eine Schokoladentarte mit doppeltem Kokoskern, die Inspiration, Erinnerung, Liebe, Trost, Motivation und Hoffnung zugleich ist. Sie ist meine Belohnung für die kleinen und großen Sprünge der letzten Wochen. Denn ich finde, wir sollten uns alle mal wieder auf die Schulter klopfen und erkennen, was wir geleistet haben. Uns beglückwünschen und stolz sein. Darauf, dass wir die Grätsche zwischen großem und kleinem Glück immer wieder schaffen und uns von sorgenreichen, harten Zeiten nur kurzzeitig die Balance rauben lassen. Dass wir uns, manchmal mit etwas mehr, manchmal etwas weniger Anstrengung, frei machen können von allem, was wir sehen – um uns darauf zu verlassen, was wir fühlen. Dass wir in diesem Labyrinth, das in manchen Augenblicken so aussichtslos scheint, irgendwie doch immer einen Weg finden. Oder gleich zwei. Bessere Gründe für Schokoladentarte gibt es einfach nicht. Kein Geburtstag, kein Hochzeitstag, kein Namenstag kann damit konkurrieren.

Lasst uns alle eine Weile stolz darauf sein, dass wir sind wer wir sind. Weil wir tun was wir tun. Egal, ob wir gerade versuchen die Welt zu verändern oder Schokolade mit Kokos im Mund schmelzen lassen.

 

[flickr id=“8644470570″ thumbnail=“large“ overlay=“true“ size=“large“ group=““ align=“none“]

 

SCHOKOLADEN-KOKOS-TARTE

Für den Mürbeteig:
120 g weiche Butter
80 g Puderzucker
25 g gemahlende Mandeln
1 Prise Salz
1 Ei
200 g Mehl (Type 405)

Für die Kokos-Ganache:
1 EL Kokosöl
40 g Butter
5 TL Kokosblütenzucker
2 TL gutes Kakaopulver
1 TL Milch
90 g gemahlene Haselnüsse

Für die Kokoasraspel-Masse:
100 g Kokosraspel guter Qualität
etwas Kokosmilch

Für die Schokoladen-Ganache:
150 g Sahne
200 g Bitterschokolade
35 g Butter

Zum Verzieren:
In Moscobado-Zucker karamellisierte Kokoschips (gibt es z-B. im gut sortierten Bioladen oder im Internet zu bestellen)
Vorbereitungen:

Die weiche Butter in eine Schüssel geben und den Puderzucker darauf sieben. Mandeln und die Prise Salz hinzufügen und alles gut verkneten. Dann das Ei dazu geben und unterrühgren. Zum Schluss das Mehl dazugeben und alles zu einer homogenen Menge vermengen, ohne dabei zu ausgiebig zu kneten.  In Folie wickeln und mindestens 2 Stunden, am besten aber über Nacht, im Kühlschrank mürbe werden lassen. Falls er über Nacht steht, daran denken, ihn ca. 1 Stunde vor Verwendung aus dem Kühlschrank zu nehmen.

Am Tag der Verwednung den Backofen auf 180 Grad Ober-Unterhitze (oder 160 Grad Umluft) vorheizen. Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläache ca. 2-3 mm dick ausrollen und damit entweder 6 Tartelette-Förmchen oder eine normal große Tarteform auslegen. Mit einer Gabel Löcher in den Boden stechen und ca. 15 – 20 Minuten im Ofen backen.

Für die Kokos-Ganache alle Zutaten – mit Ausnahme der gemahlenen Haselnüsse – miteinander vermengen und gut vermengen. Dann die Nüsse dazugeben und zu einer formbaren Masse verkneten. Im Kühlschrank für 30 Minuten kalt stellen, damit die Masse wieder fester wird.

Derweil für die Kokosraspel-Masse die Kokosraspel in eine kleine Schüssel geben und mit der Kokosmilch begießen bis alle Raspel bedeckt sind. Ca. 15 Minuten einweichen lassen. Dann durch ein Sieb geben, die Flüssigkeit abtropfen lassen und die verbliebene Massel mit einem Löffel gut ausdrücken. Die ausgedrückte Masse wird nun weiterverwendet, der ausgepresste Saft kann aufbewahrt und für ein anderes Gericht (irgendjemand Lust auf Thai-Curry?) weiterverwendet werden.

Für die Schokoladen-Ganache die Schokolade in Stücke hacken und in eine große Schüssel geben. Sahne erhitzen und dann über die Schokolade gießen. Mit einem Holzlöffel rühren, bis sich die Schokolade aufgelöst hat und eine gleichmäßige Ganache entsteht. Zum Schluss die Butter unterrühren bis sich alles verbunden hat.

So wird’s gemacht:

Auf den blindgebackenen Tartelettes eine dünne Schicht der Kokosraspelmasse verteilen und mit dem Löffel gut andrücken, sodass eine glatte Ebene entsteht. Darüber eine Schicht Kokos-Ganache verteilen und wieder glätten. Zum Abschluss werden die Tartelettes mit der Schokoladen-Ganache aufgefüllt. Dann bei Zimmertemperatur etwas anziehen / fest werden lassen und kurz vor dem Servieren noch ein paar süße Kokoschips darüber verteilen.

Bon Appétit!

You Might Also Like

7 Comments

  • Reply Anonym 30. Juni 2013 at 10:07

    This tart looks absolutely amazing!

  • Reply Ylva 17. Juni 2013 at 09:54

    Oh, wie lecker!

    Ich bin total hin und weg von dieser Tarte und würde gerade am liebsten in den Bildschirm beißen. Yummie! Ich glaub, ich muss heute noch irgendwas backen… 🙂

    Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche!
    Ylva

    Ach ja: Wo bekommt man denn Kokosblütenzucker her? Gibt’s den im Reformhaus?

    • Genusssucht
      Reply Genusssucht 17. Juni 2013 at 10:06

      Kokosblütenzucker bekommt man mittlerweile eigentlich in den meisten gut sortierten Bio-Läden oder Reformhäusern. Meiner ist von der Sorte Dr. Goerg und auch online bestellbar (http://www.virgin-coconut-oil.de/kaufen/).
      Dir auch eine tolle, sonnige und tarte-reiche Woche!

      • Reply Ylva 18. Juni 2013 at 12:27

        Oh, lieben Dank! Da werde ich beim nächsten Einkauf mal genau die Augen offen halten. 🙂

        Mich hat es dann gestern auch gepackt und ich habe meine ersten Tarteletts überhaupt gebacken: 3 mit Himbeeren und Brombeeren auf Mascarpone und 3 nach Deinem Zitronentarte-Rezept. Die Zitrone war ja mal suuuper lecker! Genau das Richtige bei der Hitze!

        Viele Grüße!
        Ylva, die nun ganz Törtchen-süchtig ist 😉

  • Reply annette 27. April 2013 at 13:41

    ich mag unglaublich, wie du schreibst – und diese Tarte erst! .. wie schön dass die Rote Bete und Steffen uns connected haben 😉
    bis bald und liebe Grüße *annette

    • Genusssucht
      Reply Genusssucht 27. April 2013 at 15:10

      Da zweifelt man gerade an der Samstagslaune und plötzlich kommt so ein tolles Kompliment daher… 🙂 Vielen Dank, liebe Annette! Bin schon auf alle weiteren Gänge des Blogevents gespannt und selbst schon wieder fleißig am Rezepttüfteln. Herzallerliebste Grüße!

  • Reply Françoise Weyna 13. April 2013 at 15:52

    Vielen Dank liebe Stéfanie für diese wunderbaren trostspenden Zeilen und für das Rezept, das so viel Appetit auf das Leben macht! Hab‘ Mut und bleibt unbedingt bei dem was Du vorhast.
    Liebe Grüße. Francoise

  • Leave a Reply

    Ausrechnen, eintippen und dann absenden. * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

    Genuss bringt Menschen zusammen.
    Du willst mehr kulinarische Anekdoten und Rezepte? Dann trage dich für den Newsletter ein. Als Dankeschön erhältst du ein RECETTE DU WEEK-END mit allen Genussextras.